Papier statt  Feuchttücher: Kunststoff schadet Leitungen und Kläranlagen

Keine Probleme in Eschwege: Der Betriebsleiter des Zentralklärwerks, Stephan Bauer, gibt dennoch Tipps für das richtige Toilettenpapier. ARCHIVFOTO: HARALD SAGAWE

In Folge der Hamsterkäufe ist vielerorts Toilettenpapier zur Mangelware geworden. Viele greifen daher auf Feuchttücher und Küchenpapier zurück, die dann in der Toilette landen.

In der vergangenen Woche berichtete beispielsweise Sontras Stadtmanager Alexander Dupont: „Aufgrund der Hamsterkäufe von Toilettenpapier verstärkt sich die Problematik.“

„Die Tücher gehören nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll.“, betont Diplom-Ingenieur André Assenmacher, zuständig für die Wasserver- und Abwasserentsorgung bei der Stadtverwaltung Sontra. Der Grund: Sie lösen sich im Wasser nicht auf, bestehen aus reißfesten Kunstfasern. Besonders in den Abwasserpumpen im Kanalsystem kommt es immer wieder zu Verstopfungen.

Die führen dann zum Ausfall der Pumpen. „Aufwendige und vor allem teure Sondereinsätze sind die Folge“, so Assenmacher.

In den Kläranlagen in Witzenhausen, in Hessisch Lichtenau-Fürstenhagen und dem Zentralklärwerk Eschwege gäbe es derzeit noch keine Probleme, teilten die Mitarbeiter auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Bisher schaffen unsere Rechen es noch, den Großteil herauszufiltern“, sagt Marco Thormann, Fachkraft für Abwassertechnik im Hessisch Lichtenauer Klärwerk Fürstenhagen.

Auch im Zentralklärwerk in Eschwege konnte Betriebsleiter Stephan Bauer noch keine Probleme feststellen, die andernorts in Folge der Hamsterkäufe wegen der Corona-Pandemie entstehen. „Feuchttücher waren schon immer ein Problem für die Klärwerke. Wegen Corona konnten wir keinen Anstieg beobachten“, heißt es vom Witzenhausener Klärwerk. Damit es auch weiterhin so bleibt, raten die Mitarbeiter der Klärwerke, nur herkömmliches Toilettenpapier in der Toilette zu entsorgen.

„Feuchttücher, Essensreste, Wattestäbchen und Medikamente gehören nicht in die Toilette“, sagt Thormann. „Wir haben bereits vor einigen Wochen einen Aufruf auf der Website der Kreisstadt Eschwege veröffentlicht, und darum gebeten, darauf zu achten, was in die Toiletten geworfen wird“, sagt Bauer. Materialien, die nicht zersetzt werden können oder die Umwelt belasten könnten, gehören ebenfalls nicht in die Toilette. Es sind auch nicht nur die Klärwerke, in denen es zu Problemen kommen kann. Auch die Rohrleitungen in Privathaushalten können durch Dinge verstopfen, die eigentlich nicht in die Toilette gehören. Das sei dann nicht nur lästig, sondern könnte auch teuer werden, sagt Stephan Bauer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare