Die Erde im Schatten des Mondes

Partielle Sonnenfinsternis auch im Werra-Meißner-Kreis zu beobachten - Augenschutz ist wichtig

Partielle Sonnenfinsternis: Diese Bilderreihe wurde im März 2015 am Meißner aufgenommen und zeigt die einzelnen Schritte der Finsternis. Alle
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Partielle Sonnenfinsternis: Diese Bilderreihe wurde im März 2015 am Meißner aufgenommen und zeigt die einzelnen Schritte der Finsternis. Alle

Heute Mittag (10. Juni 2021) ist in Deutschland eine Sonnenfinsternis zu sehen – aber keine totale, sondern eine partielle, wie Hobby-Astronom Tibor Kaulitzki erklärt.

Eschwege Das heißt, gegen 12.30 Uhr ist die Sonne im Werra-Meißner-Kreis in einer Sichelform zu sehen, wenn der Neumond sich in der Umlaufbahn zwischen Sonne und Erde schiebt.

Gegen 11.30 Uhr soll das zweistündige Naturschauspiel bei uns beginnen, kündigt Kaulitzki, einst der Vorsitzender des 2014 aufgelösten Vereins „Vereinigte Amateur-Astronomen Karlsturm Eschwege“, an. Etwa gegen 12.30 Uhr wird die Sonnenfinsternis ihren Höhepunkt erreichen und gegen 13.30 ist es schon wieder vorbei.

Im Werra-Meißner-Kreis nur zwölf Prozent der Sonne bedeckt

Je nach Winkel und Standort auf der Erde variiert dabei, wie viel von der Sonne tatsächlich verdeckt ist, erklärt Kaulitzki. „Bei uns im Werra-Meißner-Kreis werden etwa zwölf Prozent der Sonne bedeckt sein“, sagt er. Je mehr die Menschen im Norden leben, nimmt der Bedeckungsgrad zu: In Hamburg seien es dann 18 Prozent, an der Nordsee wären es 22 Prozent und in Grönland steht der Mond vollständig zwischen Erde und Sonne.

Partielle Sonnenfinsternis: Diese Bilderreihe wurde im März 2015 am Meißner aufgenommen und zeigt die einzelnen Schritte der Finsternis. Alle

Aber auch dort werden die Menschen heute Mittag noch keine totale Sonnenfinsternis sehen, denn dazu sei der Mond zu weit entfernt von der Erde, erklärt Kaulitzki. „Es entsteht aber eine ringförmige Sonnenfinsternis, die die Leute dort beobachten können“, sagt er. Der Mond steht dabei zwar voll vor der Sonne, sie scheint aber in Teilen noch über den äußeren Rand des Mondes hinweg. Kurz erscheint dort ein leuchtender Ring am Himmel.

Bei einer totalen Sonnenfinsternis würde der Mond die Sonne vollständig bedecken. Das geht aber nur, wenn er nahe genug an der Erde ist, dadurch größer erscheint und den Blick auf die Sonne kurzzeitig ganz verdeckt. Die Welt läge damit im Schatten des Mondes. Die letzte totale Sonnenfinsternis, die man in Deutschland auch als solche sehen konnte, gab es in den 1990er-Jahren, sagt Kaulitzki.

Augenschutz bei Sonnenfinsternis besonders wichtig

„Auf keinen Fall sollte man aber ohne Augenschutz einfach so direkt in die Sonne gucken“, betont Kaulitzki. Das gilt auch für Ferngläser und Teleskope. Das könne die Augen stark und nachhaltig beschädigen. Eine normale Sonnenbrille sei als Schutz nicht ausreichend.

Vielmehr solle man spezielle Brillen aus Sonnenschutzfolie oder eine Schweißerbrille verwenden, rät der Experte, der sich schon seit seiner Kindheit für Astronomie begeistert und deshalb schon als Schüler in den 1975 gegründeten Verein der Amateur-Astronomen in Eschwege eingetreten ist, dessen Vorsitz er bis vor einigen Jahren innehatte. Da es mit der Zeit nicht mehr genügend Mitglieder gab, löste sich der Verein 2014 auf, sagt Kaulitzki. Aber seine Faszination bleibt.

Partielle Sonnenfinsternis: Diese Bilderreihe wurde im März 2015 am Hohen Meißner aufgenommen und zeigt die einzelnen Schritte der Finsternis.

„Das Faszinierendste ist, dass man jedes Mal in die Vergangenheit schaut, wenn man in die Sterne blickt“, sagt er. Denn das Licht der Sterne müsse weite Distanzen überwinden, bis es auf der Erde ankomme. Dadurch sei es auch möglich, dass man im All Objekte beobachte, die schon seit mehreren Tausend Jahren nicht mehr existierten, ihr Licht aber noch immer auf dem Weg zu uns sei. Selbst das Licht unserer Sonne sei schon etwa fünf Minuten alt, wenn es hier ankomme, sagt er.

Projektor zum Anschauen der Sonnenfinsternis in Bad Sooden-Allendorf

Marktbeschicker Christoph Seesing aus Frankenhain baut heute auf dem Wochenmarkt in Bad Sooden-Allendorf einen Projektor auf, über den man in Echtzeit ein Abbild der Sonnenfinsternis beobachten kann, ohne direkt hineinzuschauen. Bei der letzten Sonnenfinsternis im März 2015 baute er das Gerät schon einmal auf. Der Käseverkäufer bringt außerdem ein mit einem Filter geschütztes Fernrohr mit, durch das jeder Interessierte das Sonnenspektakel anschauen kann. (Jessica Sippel)

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