Pfingstübung der Waldkappeler und Sontraer Feuerwehr am Dienstag

Kennen sich mit dem restaurierten 1956er Opel Blitz aus: Der 80-jährige Horst Böttner (rechts) zusammen mit Klaus Baumbach. Fotos: Marvin Heinz

Bei der Pfingstübung der Waldkappeler und Sontraer Feuerwehr 

„Feuerwehr ist mehr als nur die Einsatzabteilung“, sagte Martin Tippach am Pfingstdienstag. Der Wehrführer der Feuerwehr Waldkappel-Kernstadt blickt während der traditionellen Pfingstübung auf den Kirchplatz und sieht die Kräfte der Ehren- und Altersabteilung, der Jugendfeuerwehr und der Einsatzabteilung. In Eintracht versuchten die verschiedenen Semester die Übung zu meistern.

Während die Einsatzkräfte um den Übungsleiter Lukas Kullack zwei eingeklemmte Personen aus einem verunfallten Fahrzeug retteten, löschte der Nachwuchs unter Anleitung von Jugendwart Julian Hoßbach den Brand. Unterstützend standen Horst Böttner (80), Horst Sennhenn (83) und Heinz Seitz zur Seite „Es ist fast so wie früher“, sagt der 90-jährige Seitz, „wir fühlen uns an die alten Zeiten erinnert und so ein bisschen Adrenalin spüren wir auch noch, wenn die Sirene geht.“

Einsatzwagen aus dem Jahr 1956

Vorgefahren kamen Böttner, Sennhenn und Co. nicht im üblichen Einsatzwagen. Der aus dem Jahr 1956 restaurierte Opel Blitz wurde aus der Garage gelassen. Nostalgie pur. „Auch deswegen mussten wir dabei sein“, erklärt Böttner, der einen Neunjährigen unter seiner Fittiche nahm. Zusammen rollten sie die Schläuche aus, koppelten diese an den Hydranten und spürten gemeinsam den Druck des Löschmittel Wasser. „Hoffentlich können wir auch im nächsten Jahr dabei sein“, sagt Sennhenn lächelnd.

Seine Nachfolger hatten dagegen am verunfallten Auto allerhand zu tun. Die mit hydraulischen Rettungsgeräten, Stabilisationsmaterial und Brechwerkzeug ausgestattete Waldkappeler Wehren führte eine verletztenorientierte Rettung durch. „Bei der Rettung ist besonders auf den Rücken und die Halswirbelsäule zu achten“, weiß Kullack. 

In Abstimmung mit dem Rettungsdienst wurde abgewogen, wie die verunfallten Person aus dem Fahrzeug befreit werden soll, ehe mit einer Sebelsäge und einer hydraulischen Rettungsschere das Dach geöffnet wurde. Zuvor wurde die Scheibe des Autos aufgebrochen, um im Inneren einen Retter zu positionieren, der sofort den Patienten betreuen kann. Mit Leitern und Unterpfeilkeilen sicherten die Einsatzkräfte den Wagen ab, sodass ein Umkippen ausblieb.

Wehrführer Tippach gab sich nach Übungsende zufrieden: „Die Schauübung hat alle Facetten der Feuerwehr gezeigt.“  

Pfingstübung Waldkappel: Drei Generationen gemeinsam im Einsatz

Pfingstübung in Sontra

Es ist zehn Jahre her, dass die Sontraer Feuerwehr zu einem Einsatz alarmiert wurde, der rückblickend als einer der schwersten der jüngeren Geschichte eingestuft wird. Die Kneipe „Grüner Baum“ stand am 7. Januar 2009 am Marktplatz in Brand. 

Ein Albtraum, ein Brand in der Altstadt, am Marktplatz - im Herzen der Berg- und Hänselstadt, dort wo alte Fachwerkhäuser dicht an dicht stehen. Während der 130. Pfingstübung am Dienstag wurden die Sontraer Einsatzkräfte mit einem ähnlichen Szenario konfrontiert. In den Räumen der ehemaligen Gaststätte Kirsche am Marktplatz brach ein Brand aus, drei Kinder wurden vermisst. Die Wehren eilten binnen fünf Minuten von der Wichmannswiese in die Innenstadt. Neben dem Grundsatz „Menschenrettung vor Brandbekämpfung“ stand für Wehrführer Ralf Beck die strukturelle Vorgehensweise und die Koordination unter den Einsatzkräften in Innenstadtbereich im Vordergrund. 

Für Brände dieser Art gründeten die beiden Stadtbrandinspektoren André Bernhardt und Dirk Linhose vor Jahren eine Arbeitsgruppe „Altstadt und Hinterhöfe“. Die Innenstadt wurde aus dem Segelflieger fotografiert. Etwaige Anfahrts- und Brandszenarien wurden in diesem Zuge zur Optimierung durchgesprochen. „Daraus könnten wir ablesen, dass wir sternförmig die Unfallstelle anfahren müssen“, betonte der stellvertretende Wehrführer Michael Bube, der die verschiedenen Fahrzeuge über die Bäcker- und Rosengasse sowie über die Herrenstraße und Niederstadt zum Einsatzort schickte. Nach der Erkundung des Zugführers sind drei Atemschutztrupps über zwei Angriffswege in das Haus vorgedrungen. Die Drehleiter wurde ausgefahren, um den Brand von oben zu bekämpfen. 

Mit einem Drucklüfter wurde der Rauch aus dem Gebäude gedrückt. „Dank guter Zusammenarbeit konnten die drei Kinder schnell in Sicherheit gebracht werden“, freut sich Bube, der auf seinem Zettel alle Einsatzziele abhakte. Neben dem Zuspruch durch 150 anwesende Bürger, während der einstündigen Übung freut sich Bube vor allem über die Unterstützung durch das Immobilienbüro Jörg Wagner: „Jahr für Jahr stellt Herr Wagner uns seine Liegenschaften für unsere Übungen zur Verfügung – das ist nicht selbstverständlich.“

Pfingstübung Sontra: Alle Einsatzziele erledigt

Von Marvin Heinz

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