1. Werra-Rundschau
  2. Eschwege

Pflücken dieser Orchidee ist tabu: Orte des Frauenschuh werden geheim gehalten

Erstellt:

Von: Jessica Sippel

Kommentare

Den Frauenschuh gibt es auch im Werra-Meißner-Kreis. Der Arbeitskreis Heimische Orchideen widmet sich der Erforschung und dem Schutz dieser Pflanzen.
Den Frauenschuh gibt es auch im Werra-Meißner-Kreis. Der Arbeitskreis Heimische Orchideen widmet sich der Erforschung und dem Schutz dieser Pflanzen. © Helmut Siebert

Den Frauenschuh, einer wilden Orchideenart,gibt es auch im Werra-Meißner-Kreis. Ein Pflücken ist aber tabu, wie der Arbeitskreis Heimische Orchideen betont.

Werra-Meißner – Farbenprächtig, exotisch und auf eine gewisse Art auch mysteriös: Wunderschön sind die gelb-roten Blüten des Frauenschuh. „Alle heimischen Orchideen sind gesetzlich geschützt“, weiß Helmut Siebert vom Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO). Seine Mitglieder widmen sich schon seit mehr als 50 Jahren in Hessen ehrenamtlich der Erforschung, dem Schutz und dem Erhalt dieser besonderen Pflanzen. Unter den geschützten Exemplaren ist der Frauenschuh zusätzlich als prioritäre Art nach den Flora-Fauna-Habitat-Regelungen (FFH-Gesetze) der EU eingestuft. Seine Lebensgrundlage darf sich wegen seines hohen Gefährdungspotenzials nicht verschlechtern.

Was seinen Lebensraum betrifft, ist der Frauenschuh äußerst wählerisch: Lichtdurchflutete Waldformen in Kalkgebieten sind neben der erforderlichen Bodenfeuchte die Grundbedingungen für diese Orchideenart. Dazu braucht sie außerdem einen bestimmten Bodenpilz, ohne den die Orchideen nicht keimen und dauerhaft überleben können. Fühlt sich die Pflanze wohl, kann sie vieltriebige Stauden hervorbringen.

In Hessen bilden die Kalkgebiete des Werra-Meißner-Kreises und die Gegend um Kassel bis Trendelburg noch einige solcher Lebensräume, in denen allerdings mehr als 90 Prozent der hessischen Frauenschuhe vorkommen, teilt Siebert mit. Im Werra-Meißner-Kreis wurden 2021 an 19 Stellen noch 1044 Sprosse kartiert.

Schon seit Jahrhunderten sind die Menschen fasziniert von Orchideen, weshalb sie mit die am gründlichsten beobachteten Pflanzen überhaupt sind, so Siebert. Noch um das Jahr 1900 kam der Frauenschuh in vielen Wäldern unserer Kalkgebiete vor, stellenweise massenhaft, und wurde auf Märkten zum Kauf angeboten. Daran erkenne man – neben der Verdunkelung der Wälder – jedoch auch eine der Hauptursachen, warum diese Art heute derart selten und schutzbedürftig geworden ist, sagt Siebert: „Ihre Schönheit wurde ihr zum Verhängnis.“

Pflanzenstandorte werden geheim gehalten

Auch heute müssen die Mitglieder der AHO immer wieder illegale Ausgrabungen der Pflanze zur Kenntnis nehmen. Stärkere Stauden scheinen Orchideenräuber magisch anzuziehen, Lichtungen mit Frauenschuhvorkommen würden immer wieder geplündert. „Die Bemühungen und Erfolge des Naturschutzes werden durch die Räuber permanent wieder zunichtegemacht.“

In der Natur sei es daher unumgänglich, die letzten Frauenschuh-Lebensräume zu optimieren und vor Schädigungen zu schützen. Dazu gehöre auch die Geheimhaltung der Standorte. Einzelne Wuchsgebiete würden aber touristisch erschlossen, um Interessierten die Freude an den Pflanzen zu ermöglichen. Den Gartenfreunden sei gesagt, dass man mittlerweile in Spezialgärtnereien etablierte Nachzuchten kaufen kann, betont Siebert. Diese Stauden seien dann speziell abgehärtet, mit allen Nährstoffen und der erforderlichen Pilzbrut ausgestattet. So kann man sich im eigenen Garten an den prächtigen Blüten des Frauenschuhs erfreuen – legal und viel günstiger als die Strafe bei Pflanzenwilderei.

Von Jessica Sippel

Auch interessant

Kommentare