Nachwuchs bei den Parteien im Kreis - Grüne sind für junge Menschen am attraktivsten

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Andere Generation, andere Sorgen: Besonders beliebt beim politischen Nachwuchs sind die Grünen im Werra-Meißner-Kreis. Die Partei trifft offenbar den Nerv der jungen Menschen.  

Die Grünen, aber auch die Freien Wähler und die Partei der Linken sind offenbar im Kreis für junge Menschen am attraktivsten. Das belegen Zahlen. 

Werra-Meißner. Auch wenn die Nachwuchsorganisation der CDU, die Junge Union, zahlenmäßig im Kreis am stärksten vertreten ist, scheinen die Grünen, die Linken und die Freien Wähler besonders attraktiv zu sein: Bei ihnen ist der Anteil junger Mitglieder besonders hoch. Das geht aus einer Befragung unserer Zeitung bei den Parteien und politischen Vereinigungen hervor.

Besonders beliebt: Die Grünen

Besonders beliebt bei jungen Leuten sind dabei die Grünen. 23 Mitglieder unter 30 Jahren, der Altersgrenze für die Grüne Jugend, gibt es im Kreis, das sind 22,5 Prozent aller Mitglieder, berichtet Vorstandssprecher Felix Martin. Weil man sich aber auch ohne Parteimitgliedschaft bei der Grünen Jugend engagieren kann, sind es sogar 35, die mitmachen.

Bei allen anderen Parteien und Vereinigungen liegt die Altersgrenze, innerhalb der man noch zur Jugend zählt, bei 35 Jahren, außer bei der AfD, hier ist die Obergrenze bei 36 Jahren.

Linke und Freie Wähler

Die Linke und die Freien Wähler geben an, dass rund 15 Prozent ihrer Mitglieder unter die Altersgrenze fallen. Wie der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Dr. Claus Wenzel, berichtet, gibt es aktuell noch keine Kreisvereinigung der Jungen Freien Wähler, jedoch einige junge Mitglieder mit politischen Mandaten.

Auch eine „Linksjugend solid“ besteht noch nicht, sie ist aber im Aufbau, sagt der Kreisvorsitzende Günter Schäfer. Von den jungen Mitgliedern engagieren sich vier bis sechs regelmäßig aktiv in der Partei.

Die Jusos 

Jungsozialisten (Jusos), die SPD-Jugendorganisation, gibt es 116 im Kreis, dazu gehören auch 14 Unterstützer, die zwar Mitglied bei den Jusos, aber nicht in der SPD sind. Wie Unterbezirks-Geschäftsführer Raimund Hug-Biegelmann mitteilt, stellen die Unter-35-Jährigen gut sieben Prozent der Mitglieder, davon sind 14 bei den Jusos aktiv.

Die Junge Union

Die Junge Union (JU) hat im Kreis mehr als 150 Mitglieder, sagt der Kreisvorsitzende Niklas Gries. Dies lasse allerdings nicht auf die Gesamtzahl der CDU-Mitglieder schließen, da viele nach der Schule die Region verlassen und sich dann am Ausbildungsort politisch einbringen. Zehn bis 15 JU-Mitglieder nehmen an den regelmäßigen Treffen teil, bei der Kommunalwahl wurden zwei JU-Mitglieder in den Kreistag und rund zehn in Stadt- und Gemeindevertretungen gewählt.

Die Jungen Liberalen 

Mitglieder der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP, sind zwischen 14 und 35 Jahre alt. Im Kreisverband Werra-Meißner trifft das auf zwölf zu, das sind 14 Prozent der gesamten Mitglieder, wobei nicht alle Jungen Liberalen Parteimitglied sind, sagt der Kreisvorsitzende Jorias Bach.

AfD ohne eigen Jugendorganisation 

Eine Jugendorganisation gibt es laut Friedrich Schülbe bei der AfD im Werra-Meißner-Kreis nicht und es sei auch nicht geplant, eine solche aufzubauen. Wie viele der AfD-Mitglieder im Kreis im Alter der Jungen Alternativesind, beantwortete er auf telefonische Nachfrage nicht. Die schriftliche Anfrage mit ausführlichen Fragen wurde von der AfD nicht beantwortet.   

Parteien setzen auf Beteiligung

 Um neue, junge Mitglieder zu gewinnen, setzen die Parteien und politischen Vereinigungen im Kreis auf verschiedene Strategien. 

Ein Überblick

Die Junge Union:  Oft sind es Angehörige oder Bekannte von CDU-Mitgliedern, aber auch junge Menschen, die von sich aus den Schritt in die Politik machen, die zur JU stoßen, erklärt Kreisvorsitzender Niklas Gries. Der JU-Kreisvorstand besteht aus sieben Mitgliedern und weiteren Kooptierten. Neben regionalen Themen wie Freizeitangebote, Tourismus und Attraktivität des ländlichen Raums würden auch bundes- und landespolitische Themen besprochen. Ein Ziel, um junge Menschen im Kreis zu halten, müssten gute Bedingungen für Ausbildungsplätze und verbesserte Mobiltät sein, fordert Gries. 

Die Grüne Jugend:  Neben kreisweitem Engagement haben sich als Schwerpunkte der Grünen Jugend Eschwege, Bad Sooden-Allendorf und Witzenhausen herausgebildet, berichtet Grünen-Kreissprecher Felix Martin. Der Kreisvorstand der Grünen Jugend besteht aus den beiden Vorsitzenden Helena Pfingst und Max Wendt sowie Schatzmeister Jakob Mayer und Beisitzerin Julia Heckmann. Sie koordinieren Treffen, organisieren Veranstaltungen und sind Ansprechpartner. Nachwuchs soll unter anderem gewonnen werden, indem alle Veranstaltungen öffentlich seien und man sich auf Augenhöhe mit „Du“ anspreche. Zudem sei die Mitgliedschaft bei der Grünen Jugend kostenfrei und bei den Grünen für Schüler und Studenten gering. Neue Mitglieder werden persönlich betreut, zu Treffen eingeladen, zudem gibt es Schulungen. Die jungen Kreis- und Landtagsabgeordneten könnten laut Martin für andere junge Mitglieder Vorbild sein. 

Die Jusos: Die Jusos im Kreis engagieren sich in Eschwege, Meißner/Berkatal, Hessisch Lichtenau, Großalmerode und Witzenhausen, berichtet Kreis-Geschäftsführer Raimund Hug-Biegelmann. Zudem sind die Jusos und ihr Vorsitzender Kosta Panou auch auf Kreisebene politisch aktiv. Um Nachwuchs zu gewinnen, wolle die Partei auf Kreisebene mehr Bürger beteiligen und mitentscheiden lassen sowie Bürgerbefragungen durchführen. Junge Menschen sollen an den für sie interessanten Themen mitarbeiten. Um sie in der Region zu halten, müssten junge Leute bei der Zukunftsgestaltung mitwirken. So werde die Partei zum Beispiel bei der Kommunalwahl darauf achten, dass die Chance, offene Listen für Nichtmitglieder anzubieten, genutzt wird.

Die Jungen Freien Wähler: Zur Gewinnung neuer junger Mitglieder bieten die Jungen Freien Wähler auf Landesebene Sprechstunden in Gießen an. Zudem beträgt der Mitgliedsbeitrag nur 12 Euro jährlich für Schüler und Studenten bis 27 Jahre. „Regelmäßig werden neben politischen auch gesellige Aktionen angeboten“, so der Kreisvorsitzende Dr. Claus Wenzel. Im Werra-Meißner-Kreis versuchen die Freien Wähler, junge Menschen direkt mit ihren Themen anzusprechen. So gab es etwa ein Treffen mit Vertretern von Fridays for Future. Zudem haben laut Wenzel die Freien Wähler 2018 für gute Jugendarbeit und soziale Projekte 1000 Euro gespendet. 

Die Jungen Liberalen:  Erst seit einem Jahr gibt es, nach vier Jahren Inaktivität, wieder Junge Liberale, berichtet der Kreisvorsitzende Jorias Bach. „Deshalb gibt es bisher keine Kommune, in der Julis Stand jetzt sehr stark sind.“ Daher seien im Kreis auch keine Julis in Kommunalparlamenten. Das werde sich bei der nächsten Wahl ändern, hofft Bach. Politisch bringen sie sich aktuell mit Anträgen auf den Landeskongressen beim Landes- und Bundesverband der Julis ein. Mitglieder werben die JuLis noch über persönliche Ansprache. Dieses Jahr soll es außerdem Vorträge, Stammtische und gemeinsame Aktionen geben. Zudem wollen die Julis mit den anderen jugendpolitischen Organisationen in die Schulen gehen, um dort zu werben. 

Die Linksjugend: Eine Jugendorganisation der Linken befindet sich gerade im Aufbau, sagt Kreisvorsitzender Günter Schäfer. Junge Mitglieder organisieren kreisweit Aktionen. Treffen finden in Eschwege statt. Dazu kommen gemeinsame Fahrten zum Bundestag und Beteiligung an der politischen und organisatorischen Arbeit in Kreisverband und in den Ortsverbänden. „Sowohl im Kreistag als auch in den Stadtparlamenten von Eschwege und Witzenhausen thematisieren wir immer wieder die Interessen junger Menschen und haben uns dort mehrfach für ein Rederecht der Jugendgruppen im Parlament stark gemacht“, so Schäfer. 

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