Blutentnahmen und Haftfähigkeitsprüfungen bereiten Probleme

Polizei klagt über Ärztemangel auf Land

Werra-Meißner. Der Ärztemangel auf dem Land wirkt sich auch auf die Arbeit der Polizei aus.

„Wir haben große Schwierigkeiten, im Schwalm-Eder-Kreis, dem Kreis Waldeck-Frankenberg und dem Werra-Meißner-Kreis Ärzte zu finden, die nachts Blutentnahmen vornehmen oder die Haftfähigkeit einer verdächtigen Person überprüfen“, sagt Polizeihauptkommissar Steffen Kohlmeier.

Kürzlich habe man deshalb 350 praktische Ärzte in Nordhessen angeschrieben, ob sie die Polizei unterstützen wollen. Niedergelassene Ärzte seien dazu nicht verpflichtet, sagt Kohlmeier. Die Leistungen würden nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Für eine Blutentnahme gebe es zwischen 50 und 100 Euro. „Vielleicht sagen sich viele Ärzte, dass sie dafür nachts nicht aufstehen.“

Die Resonanz sei jedenfalls nicht besonders groß gewesen. In Sontra (Werra-Meißner-Kreis), Frankenberg und Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) gebe es keinen Arzt, der bei der Polizei Blutentnahmen vornehme. In Homberg (Schwalm-Eder-Kreis) gebe es nur einen, sagt Kohlmeier, der im Polizeipräsidium Nordhessen die Abteilung Innere Revision leitet. Die Kollegen aus Homberg hätten auch beklagt, dass sie tagsüber nicht mal einen Arzt finden, der einen Leichenschau vornehme. In Waldeck-Frankenberg würden die Beamten mit den Verdächtigen zur Blutentnahme in Krankenhäuser fahren.

„Aber das ist nur eine Notlösung“, sagt Kohlmeier. Nicht selten würden die Betroffenen dort randalieren. Nur in der Stadt und im Landkreis Kassel gebe es ausreichend Ärzte, die nachts auf die Dienststellen kommen. Das liege daran, dass sich hier viele Ärzte im Ruhestand für die Schichten melden. Kohlmeier setzt darauf, dass sich auch verrentete Ärzte aus den Kreisen melden, die Lust auf Arbeit bei der Polizei haben.  (use)

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