Landwirte beklagen schlechte Kartoffelernte wegen des nassen Frühjahrs

Preise werden wohl steigen

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Schwere Böden: Eigentlich ist der Werra-Meißner-Kreis für die Kartoffelernte nicht optimal. Herbert Wicke aus Jestädt hat sich trotzdem auf die Knolle spezialisiert. In guten Jahren erntet er 35 Tonnen pro Hektar, in diesem Jahr ein Drittel weniger.

Werra-Meißner. Zu nass und zu kalt war es im Frühjahr. „Das hat die Kartoffel überhaupt nicht gern“, sagt Herbert Wicke, der größte Kartoffelanbauer im Werra-Meißner-Kreis aus Meinhard-Jestädt. Das hat die Ernteerträge stark beeinflusst. Von einem Verlust von einem Drittel spricht Wicke in diesem Jahr. Wenn er pro Hektar in normalen Jahren 35 Tonnen erntet, waren es in diesem Jahr nur rund 25 Tonnen.

Die schlechten Zahlen bestätigen auch Bio-Landwirt Christian Lingemann aus Oberhone und der Nebenerwerbs-Kartoffelbauer Günter Kellner aus Gertenbach. Neben dem nasskalten Frühjahr hat den Landwirten auch das Hochwasser die Ernte vermiest. Die Pflanzen in Werranähe wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Einem Landwirt aus dem Eschweger Ortsteil Albungen hat das Hochwasser die komplette Ernte zerstört.

Momentan gibt es ausreichend Speisekartoffeln. Ob sich der Vorrat bis zur nächsten Ernte halten wird ist fraglich. Die Erzeuger empfehlen sich rechtzeitig mit genügend Kartoffeln einzudecken. „Die Kartoffel - gerade aus regionaler Produktion - ist nach wie vor in“, bestätigt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Allerdings sei die richtige Lagerung entscheidend. Dunkel und kühl, bei etwa fünf Grad Celsius sei das optimale Raumklima, sagt Wicke, der für seine Knollen extra eine isolierte Lagerhalle errichtet hat.

Die schlechte Ernte wird wohl ihren Preis haben. „Die Verbraucher werden sich auf sehr deutlich steigende Preise für alle Kartoffelverarbeitungsprodukte einstellen müssen“, warnt der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) in einer Mitteilung. „Die Discounter werden voraussichtlich keine so großen Mengen wie im vergangenen Jahr zur Verfügung haben“, schätzt Kellner.

Von einer Kartoffel-Industrie habe man im Werra-Meißner-Kreis noch nie sprechen können, sagt Uwe Roth. Für den privaten Bedarf können die heimischen Bauern aber das Verlangen nach Kartoffeln im Kreis mit ihrer Direktvermarktung stillen.  Hintergrund

Von Tobias Stück

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