Premiere: Junges Theater spielt „Der letzte Mohikaner“

Das Publikum auf den vollbesetzen Rängen der Waldbühne am Leuchtberg hält den Atem an. Der Wald bietet die perfekte Bühne für das neueste Stück des Jungen Theaters Eschwege.

Eschwege. Uncas (Pascal Keller), Sohn von Chingachgook (Manfred Rehbaum), und Magua (Thomas Pönisch), stolzer Anführer der Huronen umkreisen sich mit konzentriertem Blick, Messer in der Hand. Nach dem Überfall der Huronen auf Fort William Henry hat Magua die beiden Töchter des Oberst entführt und die letzten der Mohikaner versuchen nun, zusammen mit dem Waldläufer Lederstrumpf (Sebastian Perels) das Unrecht wieder gutzumachen und die Frauen zu befreien.

Darum geht es

James Fenimor Cooper veröffentlichte seinen Roman „Der letzte Mohikaner“ im Jahr 1826, doch auch nach fast 200 Jahren hat das Thema des historischen Romans nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Frage, wie Menschen unterschiedlicher Kulturen sich begegnen und füreinander Verständnis aufbringen können, ist bis heute eine Schwierige und wurde in der Inszenierung des Jungen Theaters Eschwege von Margot-Flügel mit all ihren Facetten Anhalt herausgearbeitet.

Die Darsteller

Da ist die selbstbewusste Alice (Pauline Perels), die im Indianer Uncas allein den Menschen sieht, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Da ist ihr bornierter Vater, Oberst Munro (Dieter Salzmann), der diese Verbindung strikt ablehnt. „Indianer sind keine Christenmenschen!“, wettert er. Da ist der Trapper Natty Bumppo alias Lederstrumpf, der die fremde Kultur gar seiner eigenen vorzieht, da ist der stolze Indianer Magua, der den europäischen Eindringlingen in sein Land mit Hass gegenübertritt. Und da ist der alte Häuptling der Delawaren (ebenfalls Dieter Salzmann), ein Nathan der Weise gewissermaßen, ein Vermittler, der jeden Menschen, der ehrenhaft zu handeln bereit ist, die gleichen Rechte einräumt und als Freund ansehen kann. „Hass erzeugt immer nur wieder Hass“, mahnt er. Und als sich Magua dann als wenig ehrenhaft herausstellt - als Individuum nicht als Indianer - kann es eine Lösung des Konflikts geben.

Die Kulisse

Und dann kommen auf der Naturbühne am Leuchtberg auch die Pferde zum Einsatz, um noch einmal ein eindrucksvolles Schlussbild zu zaubern. Als Stück ist „Der letzte Mohikaner“ natürlich die ideale Wahl für eine Waldbühne, denn hier kann die Action der Indianerüberfälle, der Schießereien und Messerduelle ebenso geboten werden wie ein eine gute Portion Tiefgang, denn anders als Karl May zielt Cooper nicht allein auf die Unterhaltung ab. So adressieren die Figuren ihre unterschiedlichen Positionen mit geradem Blick direkt ans Publikum.

Premiere: Das Junge Theater spielt "Der letzte Mohikaner"

Doch auch ein komisches I-Tüpfelchen darf natürlich nicht fehlen. In diesen dankbaren Rollen glänzten Holger Hämmerling als verrückter Missionar und Johannes Meier als Pechvogel Major Heyward. Dafür gab es am Ende munteren Applaus vom Premierenpublikum.

Karten: kultur-eschwege.de

Von Kristin Weber

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