Probleme bei Produktion oder Verunreinigung: Engpass bei 15 Medikamenten

Lieferengpässe für Medikamente sind für die Apotheken im Kreis seit gut eineinhalb Jahren an der Tagesordnung - aktuell bei zehn bis 15 Medikamenten.

Laut Andrea Bräutigam von der Adler-Apotheke in Eschwege gibt es Lieferprobleme gibt es Engpässe in allen Dosierungen und Packungsgrößen. Mit dem Schmerzmittel Ibuprofen und dem Blutdrucksenker Candesartan seien darunter zwei der meist verkauften Medikamente.

„Bei Candesartan ist immer irgendetwas verfügbar, aber meist nicht die Stärke, die benötigt wird“, sagt auch Isabella Mors, Inhaberin der Rats-Apotheke in Bad Sooden-Allendorf. Dann müsse das Rezept geändert werden und der Patient beispielsweise statt einer 16er- eine 32er-Tablette nehmen und halbieren. „Wenn wir was kriegen, sind wir wie die Eichhörnchen und legen uns einen Wintervorrat an“, veranschaulicht Bräutigam die Situation. Dabei würden sie jedoch vom Großhandel ausgebremst, der alle Apotheken bedienen müsse.

Doch wodurch entstehen Lieferengpässe? Die Tablette wird laut Bräutigam vielleicht noch in Deutschland gepresst, das Substrat dafür kommt aus Kostengründen aber meist aus dem Ausland. Weltweit produzierten nur noch wenige Hersteller in Indien, China und den USA die Ausgangsstoffe. „Dadurch besteht eine große Abhängigkeit“, sagt Mors. Kommt es dann in einer der wenigen Firmen zu technischen Problemen oder Verunreinigungen, entstehen Lieferengpässe. „Dann dirigiert der Weltmarkt, welches Land zuerst bedient wird, weil der Rohstoff woanders eventuell mehr Geld bringt“, vermutet Bräutigam.

Da bei einem Engpass alle eine Alternative suchten, sei auch die schnell vergriffen. Die Rabattverträge, welche die Krankenkassen seit 2003 mit Herstellern abschließen, deren Medikamente dann bevorzugt ausgegeben werden müssen, würden die Situation noch verschärfen: „Hersteller, die keinen Zuschlag bekommen haben, fahren ihre Produktion runter und können Engpässe nicht mehr auffangen“, sagt Mors. Schließe eine zu kleine Firma einen zu großen Vertrag ab, kann es laut Bräutigam auch zu einem Engpass kommen.

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