Opfern Würde zurückgeben

Projekt will Gedenkort für Behinderte, die von Nazis deportiert wurden, schaffen

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In den Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege (GWE) vergoldet Marlies Ibold die Namenszüge der Opfer in Handarbeit mit der Hilfe ihres Kollegen Maik Kirschner. 

Eschwege – Zusammen mit Dekan Dr. Martin Arnold hat Hartmut Kleiber, Vorstand im Verein Aufwind, ein Projekt auf den Weg gebracht, mit dem Menschen mit Behinderung, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert, kaserniert und ermordet worden sind, ihre Würde zurückerhalten sollen.

Dabei handelt es um Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis. 35 Biografien hat der Dekan recherchiert, 35 Schicksale, an die er erinnern möchte. Aus ihren Namen hat der Kasseler Künstler Lutz Kirchner ein Denkmal geschaffen.

Die Buchstaben werden aus Plexiglastafeln herausgeschnitten und die Ränder mit Blattgold vergoldet. So werden die Namen wieder lesbar. Die Tafeln sollen außen am Stadthaus Brühl 6 in Eschwege entlang der Friese angebracht werden. In dem Haus betreibt der Verein Aufwind unter anderem ein Wohnheim für Menschen mit seelischer Behinderung sowie das Café Brise. „Aus den Buchstaben, die auf diese Weise aus den Tafeln herausgefallen sind – ebenso wie die Opfer aus der Geschichte herausgefallen sind - werden schließlich neue Worte geformt“, sagt Lutz Kirchner. „Sie bilden die Worte Liebenswert und Lebenswert, die an den Stufen des Cafés angebracht werden.“

An dem Projekt beteiligen sich auch Schüler der Anne-Frank-Schule aus Wanfried mit ihrem Lehrer Heiko Striening. In den Fächern Deutsch und Religion beschäftigen sie sich nicht nur mit dem schweren Thema Euthanasie im Dritten Reich, sondern wollen auch eine Ausstellung erarbeiten, die Parallel zur Eröffnung des Gedenkortes an die Opfer gezeigt werden kann. Alisha Appuhn, Lena Eisenträger, Sophia Falk und Ine Heitzenröder besuchten die Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege von Aufwind, wo derzeit die Namenzüge vergoldet werden.

Hier hat sich Marlies Ibold, der das Thema ebenfalls sehr am Herzen liegt, in die Technik des Auftragens des Blattgolds eingearbeitet. Dies erfordert viel handwerkliches Geschick und Fingerspitzengefühl. „Als eine Schule, die nach Anne Frank benannt ist, haben wir auch eine Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten“, sagt Heiko Striening. „Aber es geht nicht nur um das Erinnern, sondern auch um die Frage, welche Schlüsse die Schüler heute daraus ziehen.“ Auch Hartmut Kleiber hält es für wichtig, die Erinnerung an die Opfer von NS-Verbrechen wach zu halten: „Wir leben heute wieder in bewegten Zeiten, in denen Ausgrenzung und Unterdrückung zunehmen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Vergangenheit wiederholt.“

Finanziert wird das Projekt von der Eschweger Stadtstiftung und durch eine Crowd-Funding-Aktion der VR-Bank-Stiftung. Dabei werden Spenden bis zu 50 Euro von der VR-Bank-Stiftung verdoppelt.

Wie kann man mitmachen?

Eröffnung des Gedenkortes am Stadthaus Brühl 6 in Eschwege ist am Mittwoch, 29. Mai, in der Zeit von 11 bis 13 Uhr. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich auf der Homepage der VR-Bank-Stiftung dafür eintragen: vrwm.viele-schaffen-mehr.de. Auf der Seite werden auch noch andere Projekte aus dem Werra-Meißner-Kreis vorgestellt. Sobald sich dort genügend Unterstützer für das Projekt gefunden haben, wird eine 90-tägige Spendenphase freigeschaltet. 

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