Immer mehr mit Drohnen

Rehkitze vor dem Mähtod retten: Jäger suchen Wiesen ab – auch mit Drohnen

Werden von ihren Müttern in den Wiesen abgelegt: Frisch gesetzte Rehkitze erleiden häufig einen grausamen Mähtod, weil sie nicht weglaufen.
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Werden von ihren Müttern in den Wiesen abgelegt: Frisch gesetzte Rehkitze erleiden häufig einen grausamen Mähtod, weil sie nicht weglaufen.

Bald beginnen die Landwirte ihre Frühjahrsmahd: Damit dabei möglichst keine Rehkitze zu Schaden kommen, werden die Wiesen abgesucht - mit Wärmebildern von Drohnen.

Eschwege – In den kommenden Wochen werden die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis mit der Frühjahrsmahd beginnen. Gemeinschaftliche Aktionen der Jäger zur Rettung der durch die Mähmaschinen gefährdeten Rehkitze sind wegen der Kontakteinschränkungen in der Coronapandemie auch in diesem Jahr wieder deutlich erschwert.

Da das Absuchen der Wiesen, insbesondere mit Wärmebildkameras, oft in den frühen Morgenstunden erfolgen muss, könnten die Maßnahmen zur Rehkitzrettung mit der Ausgangssperre kollidieren. Laut des hessischen Landesjagdverbands bleiben aber Einsätze zur Rettung vom Mähtod bedrohter Rehkitze zur „Abwendung eines veterinärmedizinischen Notfalls“ weiterhin erlaubt.

Nach Schätzung der Deutschen Wildtier-Stiftung fallen jedes Jahr ungefähr 90 000 Rehkitze der Grünlandbewirtschaftung zum Opfer. Die Jäger versuchen deshalb in vielen Jagdrevieren nun möglichst viele Rehkitze vor dem Mähtod zu retten.

Schon in den Wochen vor der Mahd beobachten Jagdpächter und Jagdaufseher die weiblichen Rehe, um ihren bevorzugten Aufenthaltsort und damit den vermuteten Setzort der Kitze herauszufinden. Durch ein enges Verhältnis mit den Landwirten erfahren die Jäger rechtzeitig den Mähtermin.

Am Abend vor dem Mähen werden dann optische Scheuchen wie Ballons, Folien oder Säcke in der Wiese und am Rand aufgestellt, um die Ricken zu beunruhigen und zu veranlassen, ihren Nachwuchs in der Sicherheit der Nacht aus der ungemütlich gewordenen Wiese herauszuführen.

Menschengeruch darf sich nicht aufs Rehkitz übertragen

Unmittelbar vor dem Mähen wird dann die Wiese mit mehreren Helfern oft mit Unterstützung eines Jagdhundes abgesucht. Wenn ein Kitz gefunden ist, kann es in seiner Schutzstarre leicht aufgenommen und aus der Wiese getragen werden. Dabei darf es nur sehr vorsichtig mit Handschuhen und einem dicken Büschel Gras angefasst werden, um zu verhindern, dass der Geruch der Hände sich auf das Kitz überträgt.

Diesen fremden Geruch würde die Ricke später dann als die Witterung des menschlichen Todfeindes erkennen und ihr Junges möglicherweise verstoßen. Damit ältere Kitze nicht sofort versuchen, in das ihnen als Rettung erscheinende Dickicht des noch ungemähten Teils der Wiese zurück und damit wieder in die Todeszone der Mähwerke zu fliehen, werden sie zunächst in einen weichen, gut luftdurchlässigen Sack verpackt und im Schatten abgelegt. Nach dem Mähen werden die Geretteten aus dem Sack befreit und in der nächsten sicheren Deckung abgelegt. Am Abend überzeugen sich die Jäger aus der Ferne, dass die Ricke und das Kitz wiedergefunden und angenommen hat. Wenn in der Dämmerung Mutter und Kind wieder vereint am Waldrand stehen, dann war es schließlich doch noch ein glücklicher Tag für Rehe – und Jäger.

Immer wichtiger wird das Absuchen der Wiesen mittels einer mit einer Wärmebildkamera ausgestatteten Drohne. Die Anschaffung wird inzwischen vom Bund gefördert. Auch der Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege hat vor wenigen Tagen einen Bewilligungsbescheid für die Anschaffung einer solchen Drohne erhalten. (Von Dr. Jörg Brauneis)

Unser Autor

Dr. Jörg Brauneis ist niedergelassener Arzt in Eschwege. Er ist Jäger und Naturschützer und gehört dem Vorstand des Jagdvereins Hubertus Eschwege an. Er engagiert sich besonders für den Wildtierschutz und den Schutz der Wildtierlebensräume.

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