Männerwirtschaft bei den Wichteln

Reichensächser „Alte Säcke“ treffen sich seit fast 20 Jahren zum Wandern und Schlemmen

Ein ältere Mann mit einer blauen Kochschürze hält eine schwere Pfanne in der Hand.
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Chefkoch Werner Sandrock mit seiner schweren Lieblingspfanne.

Beim monatlichen Treffen der „Alten Säcke“ am Reichensächser Wichtelbrunnen geht es rustikal zu. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt und vorher wird gewandert.

Reichensachsen – Die gelbgoldenen Kartoffelpuffer in der großen Bratpfanne, hinter der Werner Sandrock steht, brutzeln und zischen, als der Hobbykoch sie auf die Teller der hungrigen Wanderer schichtet. „Wir bei den Alten Säcken, brauchen keine Feinschmecker, gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, ruft Werner Sandrock gegen die Bratgeräusche an. Und gegen das, was Werner Sandrock und Josef Schmidt servieren, hat auch keiner der Wanderfreunde, die auf den Namen „Alte Säcke“ getauft wurden, etwas einzuwenden.

Die Alten Säcke gründeten sich im Jahr 2001

Eiermatsch, Kartoffelpuffer und ungarischer Gulasch gehören zu den Speisen, die Sandrock und Schmidt auf dem Grillplatz an der Hütte am Wichtelbrunnen bei Reichensachsen zubereiten. „Nächstes Jahr sind es schon 20 Jahre, die wir uns mit den Alten Säcken treffen“, erklärt Werner Sandrock, der 2001 mit weiteren Altherrenfußballern die Geburtsstunde der Alten Säcke einläutete.

Zuerst trafen sich die späteren Gründungsmitglieder nur zu einem Essen und saßen auch danach noch lange zusammen. „Und da hatten wir so viel Spaß und haben gesagt, das müssen wir öfter machen“, erinnert sich Werner Sandrock.

Wandern und Kochen miteinander verbinden

Die Idee, Wandern und Kochen zu verbinden, fand schnell weitere Anhänger und so zählt die Gruppe heute 21 Mitglieder, die sich einmal im Monat treffen – Sommer wie Winter. Doch auch wenn noch mehr Interessierte gerne Mitglied bei den kochenden Wanderern werden würden, sei da erst einmal nichts zu machen, so Sandrock. „Wenn es mehr Leute werden, kommt man ja mit dem Essen machen nicht mehr hinterher.

Das Vor- und Zubereiten der großen Portion sei schon jetzt viel Arbeit, so der Hobbykoch. Getränke, Zutaten und Kochutensilien müssen auch bei Schnee und Eis herangeschafft werden. „Einmal im Winter war es zu glatt für das Auto und da hab ich alles mit dem Schlitten hier hoch gebracht“, erinnert sich der wetterfeste Koch.

Kochen und Wandern: Das Gulasch wird bei den Alten Säcken über dem offenen Feuer gekocht.

Der Chefkoch hat immer einen Beikoch

Aber auch wenn es mild ist, gibt es einiges zu tun: 18 Kilo Kartoffeln verarbeitet Sandrock allein an diesem Tag. Dabei steht dem Chefkoch immer ein Beikoch zur Seite. Heute ist Mitwanderer Carlo Rau an der Reihe. Schritt für Schritt folgt er den Rezeptanweisungen von Werner Sandrock, während an der Hütte die letzen hungrigen Wanderer eintreffen. „Wer die Pfanne hält, muss ein Idealist sein“, stellt Werner Sandrock fest und hält ein gusseisernes Riesenexemplar hoch.

Das Kochuntensil des Vertrauens von Josef Schmidt ist dagegen der Topf-Ofen. Denn einmal im Jahr gibt Werner Sandrock den Kochlöffel ab, und dann brodelt ungarischer Gulasch in dem großen Topf über einem kleinen Holzofen. Mit der Ofen-Topf-Kombination, aus der oben ein Rohr für den Rauch ragt, kocht Josef Schmidt das Gulasch. „Das Rezept hat mein Vater schon gemacht“, erklärt der gebürtige Ungar. Das Würzen sei für die Zubereitung besonders wichtig, erklärt der Hobbykoch.

Schmidt hat neben sich einen kleinen Tisch aufgebaut, auf dem die Kräuter aufgereiht stehen. „Ich glaube, da kann noch etwas Chili dran“, stellt er fest.

Markenzeichen der Truppe ist das Jutesäckchen mit roter Schleife

Von dem deftigen Geruch angelockt, stehen schon die ersten Hungrigen bereit. In einer Reihe rücken die Senioren mit den Anstecknadeln an der Brust auf. Das Markenzeichen der Wanderer, den kleinen braunen Justesackanhänger mit der roten Schleife, muss jeder dabei haben. „Wenn nicht, wird Strafe gezahlt“, sagt Werner Sandrock und dreht sich zu den schlemmenden Wanderern, um über einen Termin für das nächste Treffen abzustimmen.

Von Kim Hornickel

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