Symposium in der Volkshochschule

Religiöse Vielfalt: Im ländlichen Raum kann man sich nicht verstecken

+
Forouq Zara Kanaani (links) zeigt den Diskussionsteilnehmerinnen und dem Publikum ein Foto von halb verschleierten Frauen im Iran, die von voll verschleierten Frauen angegriffen werden.

„Ländlich Divers Weiblich – Religiöse Vielfalt auf dem Land“ lautete ein Vortrag in der VHS, dem 45 Teilnehmer folgten. Dabei ging es um die Auslebung verschiedener Religionen.

Ausgangspunkt

Angestoßen hatten Tanja Wild, Sozialarbeiterin, Künstlerin und Vorstandsmitglied im Seelenhaus, und Julia Kapinus, Integrationskoordinatorin des Werra-Meißner- Kreises, das Thema dieser Tagung. Innerhalb der interkulturellen Woche im September hatte Wild das „Abaya Walk“-Projekt vorgestellt (wir berichteten). Damals ergab sich eine äußerst lebhafte und kontroverse Diskussion rund um das Tragen des Kopftuches.

Einführungsvortrag

Dr. Meltem Kulaçatan von der Goethe-Universität Frankfurt am Main stellte in ihrem einführenden Vortrag „Diversität in muslimisch-weiblichen Lebenswelten“ ihre Forschungsergebnisse vor. Kulaçatan führte eine Reihe von offenen Interviews mit jungen Muslimen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren über ihre individuellen, persönlichen Lebenswelten und über die Auswirkungen von Diskriminierungen.

Podiumsdiskussion

Forouq Zara Kanaani, Mitglied des Vorstandes des Vereins Frauen für Frauen – Frauen für Kinder, berät in der Witzenhäuser Servicestelle für Integration Frauen, Männer und Kinder mit Migrationshintergrund. Ihre ganz persönliche Betroffenheit als ehemalige Tschador-Trägerin im Iran verdeutlichte allen eindrücklich die Vielschichtigkeit des Themas. Das Ablegen der Verschleierung als Regelverstoß kann durchaus bedeuten, verfolgt und getötet zu werden. Kanaani zeigte Fotos von halb verschleierten Frauen im Iran, die von voll verschleierten Frauen angegriffen werden.

Von „Response“ aus Frankfurt kam Nillufar Hossaini, die Betroffene von rassistischer und antisemitischer Gewalt berät. Sie setzte den Fokus auf Muslime oder als solche markierte Muslime. Das sind Menschen, die lediglich äußere Merkmale von Muslimen tragen (Vollbart), und so Opfer von Aggression, Gewalt und Unterdrückung werden, obwohl sie keine Muslime sein müssen. Tanja Wild stellte ihr Projekt „The Abaya Walk – Abaya ist nur ein Kleid“ vor.

Viele Fragen blieben in der Diskussion anschließend offen, das Besondere des ländlichen Raumes kam nur in Ansätzen zum Tragen. Im Gegensatz zur Großstadt Frankfurt lebe man hier im ländlichen Raum, wo jeder jeden kennt und man sich nicht verstecken kann.

Publikumsbeitrag

Danuta Neuding-Baier aus dem Publikum, selbst Migrantin aus Polen, gab ihrer Bewunderung für die Eschweger Bevölkerung Ausdruck, die viele Migrationsbewegungen miterlebt habe: die Flüchtlinge nach und im Zweiten Weltkrieg, Gastarbeiter aus Italien, Türkei, Spanien, Portugal, Aus- und Umsiedler aus der Sowjetunion und Polen, dann die Kosovoflüchtlinge, die Umsiedler nach der Grenzöffnung und jetzt Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sowie Mittel- und Nordafrika. Sie gab zu bedenken, dass man als Migrant ohne Sprachkenntnisse hilflos wie ein Kind sei. „Es kommt aber darauf an, dass man miteinander ins Reden kommt. Von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz.“ 

Von Ellen Schubert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare