Vor allem Ausbauhandwerker und Zulieferer betroffen

Rente mit 63 verstärkt den Fachkräftemangel

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Werra-Meißner. Die Rente mit 63 macht den Handwerksbetrieben im Werra-Meißner-Kreis zusätzlich Probleme. Vor allem Ausbauhandwerker und Zulieferer sind betroffen.

„Viele haben sowieso schon Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Nicht erst seitdem es die Rente mit 63 gibt. Aber das ist ein weiteres Hindernis“, sagt Matthias Joseph von der Handwerkskammer Kassel. Seit dem 1. Juli 2014 können Arbeitnehmer nach 45 Berufsjahren ohne Abschlag in Rente gehen. Dies gilt bis zum Geburtsjahrgang 1952. Ist man später geboren, steigt die Altersgrenze wieder schrittweise an.

Die Probleme sind vor allem im Handwerk akut, da erfahrene Mitarbeiter die Betriebe verlassen, es aber auch an Nachwuchs mangelt: „Wir haben keine Zahlen, aber die Tendenz ist definitiv seit Jahren da. Nicht durch die Bank weg, aber schon in vielen Branchen“, sagt Joseph. Besonders betroffen seien die Ausbauhandwerker, wie Maurer oder Dachdecker, da es diesen konjunkturell am besten gehe und die Betriebe am Limit arbeiten würden. Aber auch bei den Zulieferern gebe es große Schwierigkeiten.

„Wir brauchen wieder mehr Auszubildende im Handwerk. Gerade bei den Jugendlichen müssen diese Jobs attraktiver werden. Wir benötigen leistungsstarke Jugendliche“, gibt Joseph den Weg für die Zukunft vor. Dafür habe man seit einigen Jahren eine Imagekampagne laufen. Man schaue aber auch verstärkt bei den Studienaussteigern. „Die zunehmende Akademisierung ist ein Problem“, so Jospeh.

Momentan gibt es 1200 Handwerksbetriebe mit etwa 6200 Beschäftigten im Werra-Meißner-Kreis. „Das ist ein Mammutprojekt. Es wird keine kurzfristige Lösung geben, wir müssen das in den nächsten Jahren schaffen“, sagt Matthias Joseph. Zum Vorschlag des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die freiwillige Rente mit 70 einzuführen, möchte sich Joseph derzeit noch nicht äußern.

Von Maximilian Bülau

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