Bußgeldverfahren gegen den 16-jährigen Hausschüler Daniel Dudek ist eingestellt

Richter-Entscheid für Dudek

Daniel Dudek. F: privat

Eschwege. Das Amtsgericht Eschwege hat das Bußgeldverfahren gegen den 16-jährigen Daniel Dudek eingestellt. „Ich hatte erhebliche Zweifel, ob Daniel Dudek das Unrecht seines Handelns bewusst war“, begründete der Vorsitzende Richter Alexander Wachter seine Entscheidung. Der Jugendliche sei von Kindesbeinen an mit dem Hausunterricht aufgewachsen und hätte sich gegen seine eigenen Eltern stellen müssen. „Das ist von einem 15-Jährigen nicht zu erwarten.“

Das staatliche Schulamt in Bebra hatte im Mai dieses Jahres ein Bußgeld gegen den Schüler festgesetzt, weil er es abgelehnt hatte, die 9. Klasse der Südringgauschule in Herleshausen zu besuchen. Daniel Dudek hatte, wie auch seine beide älteren Brüder, nie eine staatliche Schule besucht, sondern war von seinen Eltern zu Hause unterrichtet worden. Die beiden Brüder Jonathan und Lukas waren ebenfalls zu Hause unterrichtet worden, hatten aber beide ihre staatlichen Abschlüsse an der Südringgauschule als Klassenbeste mit jeweils 1,1 abgelegt.

Im November vergangenen Jahres hatte Daniel Dudek bei der Südringgauschule seinen Eintritt für das zweite Halbjahr in die Realschulklasse beantragt, um dort seinen Abschluss abzulegen. Das hatte die Schule abgelehnt und ihn stattdessen aufgefordert, die Klasse 9 zu besuchen. Weil der damals 15-Jährige dieser Aufforderung nicht nachkam, leitete das Schulamt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn ein, wie es sonst üblicherweise auf Schulschwänzer angewandt wird. In der Stellungnahme einer Lehrkräftekonferenz der Südringgauschule vom Januar 2012 ist allerdings protokolliert, dass „zu erwarten steht, dass auch Daniel dem Stand der Lerngruppe weit voraus ist“. Das habe die Erfahrung mit den beiden älteren Dudek-Söhnen gezeigt. „Unstrittig war Daniel reif für den Abschluss, blindwütig aber verlangte die Schulbürokratie von ihm ein überflüssigen Strafjahr in der Anstalt“, so der Anwalt Andreas Vogt.

Da die Entscheidung des Gerichts nicht anfechtbar ist, wird das Schulamt gegen Daniel nichts weiter unternehmen. „Aber der Fall Dudek ist bei uns immer Thema, weil die Eltern dauerhaft und mutwillig ihre Kinder der Schule entziehen und ihnen dieses Verhalten anerziehen“, sagte die Leiterin der Behörde Anita Hofmann. „Hier geht es darum, die Interessen des Staates durchzusetzen und wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus.“ Die Familie Dudek hat neben den drei Söhnen noch fünf jüngere Kinder.

Daniel Dudek hat nun auf Grund seiner Weigerung, die neunte Klasse statt der zehnten zu besuchen, keinen Schulabschluss. Derzeit bereitet sich der 16-Jährige in einem international zugänglichen Fernlehrgang auf die deutsche Hochschulzugangsberechtigung vor.

Von Stefanie Salzmann

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