Robinie ist Baum des Jahres - ein Gewächs mit Fähigkeiten

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Hülsenfrüchte: Die Samen der Robinie ähneln ihren Verwandten, den Bohnen. Foto: Eberhard Leicht

Die Robinie ist Baum des Jahres 2020. Der wunderbar blühende Baum stammt eigentlich aus Nordamerika, hat sich in unseren Breiten aber einen festen Platz erobert. 

Eschwege – Fast schon wirkt es wie eine Provokation, dass die Stiftung „Baum des Jahres“ die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) zum Baum des Jahres 2020 und damit zum 32. Jahresbaum ausgerufen hat. Schließlich ist die Robinie eine fremdländische Baumart, die in der Lage ist, einheimische Pflanzen zu verdrängen und invasiv in geschützte Lebensräume vorzudringen.

Kommt aus dem Appalachengebirge im Osten Nordamerikas

Die Robine stammt ursprünglich aus den Wäldern des Appalachengebirges im östlichen Nordamerika, wo sie eine eher unscheinbare Baumart unter vielen ist. Auffällig ist nur, dass die Robinie wie keine andere Baumart dieser Wälder in der Lage ist, Katastrophenflächen im Wald nach Bränden und Stürmen rasch neu zu besiedeln und damit eine neue Waldgeneration zu begründen.

Sie ist keine Akazienart, sondern ein Schmetterlingsblütler

Nach ihrer Entdeckung wurde die Robinie zunächst für eine Akazienart gehalten und noch heute wird sie gelegentlich als Scheinakazie oder Falsche Akazie bezeichnet. Sie ist in ihrem Erscheinungsbild mit der tief zerfurchten Borke, den Fiederblättern, den Dornen an den Zweigen und den Hülsenfrüchten tatsächlichen den afrikanischen Akazien sehr ähnlich. Botanisch gehören aber die echten Akazien zu den Mimosengewächsen, die Robinie hingegen zu den Schmetterlingsblütlern.

Französischer Hofgärtner machte sie um 1600 bekannt

Prachtvoll: Wegen ihrer Blüte gilt die Robinie als beliebtes Ziergehölz. Foto: Ingrid Müller

In Europa wurde die Robinie zuerst im Jahr 1601 von Jean Robin, dem Hofgärtner der französischen Könige, im Jardin des Plantes (Botanischer Garten) von Paris angepflanzt. Lange Zeit blieb sie vor allem wegen ihrer schönen Blüte ein geschätztes Ziergehölz. Ab dem 18. Jahrhundert begannen sich zunehmend auch Forstleute für die Robinie zu interessieren. Auffällig war ihre Fähigkeit auf nach Übernutzung stark verarmten Waldstandorten zu wachsen und die Bodenerosion zu verhindert. So trat die Robinie einen Siegeszug um die ganze Welt an. Heute gehört die Robinie neben Eukalyptus und Pappeln zu den weltweit am häufigsten angepflanzten Bäumen. In einigen Regionen Ungarns und der Slowakei ist die Robinie der forstlich wichtigste Baum, und in China und Südkorea wachsen heute mehr Robinien als in ihrer Heimat, den USA.

Bewuchs mit Geschwindigkeit Trümmerwüsten nach dem Zweiten Weltkrieg

Ein letztes Mal trat die Robinie in Deutschland in Erscheinung, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg in unglaublicher Geschwindigkeit die Trümmerwüsten der durch Bombenangriffe zerstörten Städte besiedelte. Noch heute künden Robinienwäldchen in Berlin, Leipzig, Stuttgart und Köln von dieser Vergangenheit.

Als Alleebaum wird die Robinie gerne gepflanzt, besonders in Städten, da salz- und schadstofftolerant ist und deshalb gut mit den Innenstadtbedingungen zurechtkommt.

Forstwirtschaftlich ohne Bedeutung - gilt als invasive Art

Forstlich spielt die Robine in Deutschland derzeit keine Rolle, weit weniger als ein Prozent der Waldfläche sind mit Robinien bewachsen. Aber außerhalb der Wälder ist die Robinie als Park- und Stadtbaum sowie „verwildert“ in trockenen Gebüschen, auf Brachflächen und entlang von Bahndämmen häufig zu finden. Wegen ihrer Ausbreitungstendenz insbesondere in trockenen und sandigen Lebensräumen und ihrer Fähigkeit durch Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden, verändert sie die Lebensräume und kann auch bedrohte, einheimische Pflanzenarten verdrängen, was in Naturschutzgebieten zu einem Problem werden kann. In der Schweiz wurde sie deshalb in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten aufgenommen.

In Deutschland ist das Anpflanzen von fremdländischen Pflanzen in der freien Natur nach dem Bundesnaturschutzgesetz genehmigungspflichtig.

Gegen den völligen Verzicht auf die Pflanzung von Robinien sprechen allerdings (forst-) wirtschaftliche und kulturhistorische Gründe.

Jörg Brauneis

Merkmale der Robinie

Die Robinie ist ein sommergrüner Baum mit lockerer, mäßig dicht belaubter, manchmal schirmartiger Krone. Im Einzelstand werden Wuchshöhen bis 25 m, innerhalb eines geschlossenen Bestands auch über 30 m erreicht. Das Höchstalter beträgt 150 Jahre, selten auch 200 Jahre und mehr. 

Die Rinde 

Das auffälligste und auch im Winter am sichersten zu erkennende Merkmal ist die graue, ungewöhnlich grobe, tief gefurchte Borke. Typisch für die Zweige sind je zwei bis zu 5 cm lange Dornen an den Blattstielansätzen (umgewandelte Nebenblätter). 

Die Blätter

Die Blätter sind wechselständig, 20-30 cm lang, unpaarig gefiedert, mit 5 bis 12 kurzgestielten, glattrandigen, länglich-elliptischen bis eiförmigen, 2-5 cm langen Fiederblättchenpaaren. Die Blattunterseite ist graugrün. Der Blattaustrieb erfolgt oft erst Anfang Mai. Dem herbstlichen Blattabwurf geht keine typische Herbstfärbung voran. 

Die Blüte 

Ab dem Alter von sechs Jahren treiben die Bäume lockere, bis zu 25 cm lange, hängende Blütentrauben mit süßlich riechenden, weißen Schmetterlingsblüten etwas von Ende Mai bis Anfang Juni. 

Die Früchte 

Die Früchte sind 5-10 cm lange, schwarz-braune Hülsenfrüchte mit 4-10 bohnenförmigen Samen, die ab Oktober reifen. Die Fruchtstände verbleiben oft in großer Zahl über den Winter am Baum hängen. 

Standorte schnell besiedeln

Da die Robinien schon nach etwas sechs Jahren blühen und fruchten und außerdem in der Lage sind, in großem Umfang aus ihren weitreichenden Wurzeln Wurzelbrut auszutreiben, können sie geeignete Standorte schnell zu besiedeln. Dabei hilft ihnen, dass sie wie alle Schmetterlingsblütler in der Lage sind, durch eine Symbiose (Lebensgemeinschaft) mit Knöllchenbakterien (in Wurzelverdickungen) Luftstickstoff zu binden und als Pflanzennährstoff verfügbar zu machen. Dies verschafft der Robinien einen erheblichen Vorteil bei der Besiedlung nähstoffarmer Standort gegenüber heimischen Pionierbäumen wie Ahorn, Birke, Schlehe oder Kiefer. 

Einige Pflanzenteile sind giftig 

Wie viele Pflanzen in der Familie der Hülsenfrüchtler enthält auch die Robinie giftige Inhaltsstoffe (Lektine). Für Menschen sind besonders die Rinde, aber auch die reifen Samen und die Blätter giftig. Pferde können nach dem Fressen von Robinienrinde sterben. Die meisten Wiederkäuer (z.B. Rehe, Ziegen, Rinder) hingegen fressen und vertragen die eiweißreichen Blätter sehr gut. Auch Hasen und Kaninchen nagen im Winter gerne die Rinde junger Robinien ab, ohne Schaden zu nehmen. Die Blüten der Robinien sind hingegen nicht giftig. Die stark duftenden Blütentrauben können – ähnlich wie Holunderblüten – in Pfannkuchenteig getaucht und in heißem Öl ausgebacken und gegessen werden. Auf Grund des hohen Zuckergehalts werden die Blüten von den Bienen und Hummeln bevorzugt angeflogen. Bienen produzieren einen hellen, klaren, milden und dank des hohen Fruktosegehalts über Jahre nicht kristallisierenden Honig (Akazienhonig). 

Das Holz 

Das Holz der Robinie ist für seine besondere Härte und ungewöhnlich hohe Witterungsbeständigkeit bekannt. Kein anderes europäisches Holz ist über Jahrzehnte ohne jegliche Imprägnierung derart resistent gegenüber Witterungseinflüssen. Robinenholz wird für Rebstöcke, Zaun- und Weidepfähle genutzt, auch im Wasser-, Boots-und Brückenbau sowie für Lärmschutzwände wird es eingesetzt. Spielplätze werden oft mit Robinienstämmen gestaltet. Im Outdoor-Bereich (Gartenmöbel, Terrassendielen u.a.) ist Robinienholz die ideale Alternative zu allen Tropenhölzern. Das bräunliche Kernholz wird wegen seiner schönen Maserung auch im Möbelbau eingesetzt. Wegen seines alle heimischen Hölzer übertreffenden Heizwertes ist das Robinienholz auch als Energieholz von hohem Wert. 

Hoffnungsträger der Forstwirtschaft

Dies alles lässt trotz Bedenken seitens des Naturschutzes, der ein Eindringen der Robinie in geschützte Lebensräume befürchtet, Stimmen laut werden, dass unter dem Gesichtspunkt der Klimaerwärmung die Robinie zu einem Hoffnungsträger der Forstwirtschaft in Deutschland werden könnte. Sie ist hitze- und trockenheitstolerant, wächst sehr schnell und ihr Holz ist extrem langlebig und energiehaltig. Im Werra-Meißner-Kreis finden sich zahlreiche Robinienwäldchen vor allem entlang (aufgegebener) Bahnstrecken, in ehemaligen Sandgruben und Steinbrüchen, am Werraufer und in Kiesabbaugebieten. Jörg Brauneis 

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