Auf Einladung der WR zurück in der Heimat

Rolf Hochhuth feiert Geburtstag mit Lesung in Eschwege

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Provokant, ernst und humorvoll: Der gebürtige Eschweger Rolf Hochhuth begeisterte an seinem 86. Geburtstag 400 Zuschauer bei einer Lesung in der Eschweger Stadthalle.

Eschwege. Rolf Hochhuth ist Grenzgänger aus Leidenschaft. Diplomatie interessiert ihn wenig. Der Schriftsteller provoziert mit sichtbarem Vergnügen. Am Samstag feierte er seinen 86. Geburtstag mit einer Lesung in der Eschweger Stadthalle.

Seine Sicht der Dinge erscheint auf den ersten Blick abwegig, hat etwas von Verschwörungstheorie; bei genauem Hinsehen wird offensichtlich, dass die Welt genau so ist, wie Hochhuth sie beschreibt.

Signierstunde: Geduldig signiert Rolf Hochhuth in der Pause seiner Lesung Bücher. Der Dramatiker las am Samstagabend vor 400 Besuchern in der Stadthalle. 

Am Samstagabend veranstaltete die Werra-Rundschau mit dem in Eschwege geborenen und aufgewachsenen Dramatiker eine Lesung in der Kreisstadt, die viel zu bieten hatte. Hochhuth, der am Samstag seinen 86. Geburtstag feierte und von Werra-Rundschau-Geschäftsführer Markus Pfromm begrüßt wurde, nahm die Eschweger mit auf seinen Streifzug in die Weltpolitik – vom Kaiserreich bis in die Gegenwart.

Der Autor las aus seinen Werken, nahm sich Zeit zum Gespräch, signierte Bücher, trug sich in das Goldene Buch der Stadt Eschwege ein und plauderte im lockeren Dialog mit Werra-Rundschau-Redaktionsleiter Tobias Stück über seine Sicht der Dinge – von der Kindheit in Eschwege über die Zeit der nicht immer harmonischen Beziehung mit seiner Heimatstadt bis in die Gegenwart. Den Schriftsteller beschäftigt ganz besonders die Rolle der USA und der Nato. Er beschreibt eine latente Kriegsgefahr, die für ihn längst sichtbar ist: „Die Russen wollen den Frieden, die Amerikaner wollen ihn nicht mehr.“

In aktuellen Nato-Stationierungsplänen sieht Hochhuth „die größte Bedrohung nach dem Zweiten Weltkrieg“. Gesellschaftskritisch formulierte er im Gedicht „Die Zeitungszustellerin“: „Ihre Rente reicht nur, wenn sie nachts jobbt“.

Rolf Hochhuth liest auf Einladung der Werra-Rundschau in Eschwege

Die kurzweilige Lesung gab dem Publikum einen schönen Blick in Hochhuths literarische Welt, die nicht nur ernste Töne beinhaltet. „Ich will jetzt etwas lesen, das die Stimmung aufhellen kann, ich habe es noch nicht gefunden, ich erzähle die Geschichte“, kündigte er an und unterhielt seine Zuhörer mit den Geschichten von der verschenkten Weihnachtsgans sowie von Bergmännern und Bischöfen. Selbstironie durfte da natürlich auch nicht fehlen, sehr zur Erheiterung der 400 Besucher in der ausverkauften Stadthalle: „Jetzt noch ein Gedicht, das ich selbst nicht verstehe“ oder „Ich habe das früher mal besser formuliert, aber ich kann es nicht mehr finden“.

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