Rückblick: Die Bedeutung der Schifffahrt auf der Werra

War in der Vergangenheit ein wichtiger Umschlagplatz, um Waren auf dem Fluss Werra zu verschiffen: der Wanfrieder Hafen. Die Geschichte wurde in einem Vortrag der historischen Gesellschaft aufgegriffen. Foto: privat

Eschwege. In der Reihe „Vorträge zur Heimatgeschichte“ der Volkshochschule Werra-Meißner, die gemeinsam von der historischen Gesellschaft des Werralandes, dem Geschichtsverein Eschwege und der VHS Werra-Meißner organisiert werden, gab es am Dienstagabend den Vortrag „1000 Jahre Schifffahrt auf Fulda und Werra“.

Robert Köcher aus Aue und Dr. Karl Kollmann aus Eschwege erzählten in einem einstündigen Vortrag über die Bedeutung der beiden Flüsse in der Vergangenheit. „Im Jahr 979 wurde die Schifffahrt erstmals belegt, da die Klöster in Fulda und Hersfeld um die Schifffahrtsrechte auf der Wörsel stritten“, erklärte Dr. Karl Kollmann. „Die Wörsel war damals noch wasserreicher als heute und fließt in die Werra.“ Vielleicht nutzten aber auch schon die Römer die beiden Flüsse, um die Nordsee zu erreichen.

Im 16. Jahrhundert versuchten die Landesherren die Schifffahrt zu regeln und die Wasserwege auszubauen, da so viele Güter transportiert wurden. Das Strandrecht, das die Rechtsverhältnisse an Strandgut und bei Schiffbruch regelt, gab es auch an Flüssen und wurde 1536 abgeschafft. In der Fulda wurden damals auch viele Fische und Aale gefangen und Landgraf Moritz wollte die Schifffahrt von Kassel nach Hersfeld ausbauen. Ein Teil der Fulda musste bei den Anglern für die Schiffe frei bleiben. Wanfried bekam 1608 Stadtrechte zugesprochen, 1609 wurden die Schlagdhäuser gebaut, um die Waren, die mit den Schiffen ankamen, zu lagern.

„Viele Güter wurden damals nach Wanfried verschifft, viele Güter wurden ein- und ausgeladen“, so Robert Köcher. „Es gibt Belege, dass bis zu vier Schiffe gleichzeitig in Wanfried angelegt haben, um Waren zu liefern“, so Köcher weiter. An verschiedenen Stellen wurde Maut auf den Flüssen erhoben, so auch am Eschweger Wehr. Hier wurden in einem Jahr 1068 Schiffe gezählt, die das Wehr passierten. Wie wichtig die Schifffahrt in dieser Zeit war, belegten die Historiker mit einem Wandteller aus dem Jahr 1612, der Schiffleute auf der Werra zeigte.

1786 erfand Jérôme Bonaparte, der auch König Lustig genannt wurde, die Kreuzfahrt auf der Fulda. Einmal die Woche fuhr ein Schiff von Kassel nach Hersfeld nur zum Vergnügen der Passagiere. Die Warenschifffahrt kam um 1800 zum Erliegen. In Eschwege gab es 1905 das erste Dampfschiff, das bis Allendorf fuhr. Ab 1843 gab es ein Dampfschiff, das von Kassel bis nach Bremen fuhr.

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