Neben Pumpen sind Sandsäcke die Allzweckwaffe im Hochwasserkampf

Sand im Fluteinsatz

Pylonen als Trichter. Mit Hilfe einer Leiter und zweier Böcke lassen sich gleich mehrere Pylonen zur Sandsackfüllstation umfunktionieren. Handarbeit bleibt es dennoch. Foto: W. Skupio

Eschwege. Schon seit Tagen ist die Gerätehalle des Baubetriebshofes in Eschwege, in der sonst Kommunalfahrzeuge und Streusalzbehälter stehen, zur Sandsackfabrik umfunktioniert, mit wechselnder Schicht und mit Wochenendbetrieb.

„Der Sand stammt aus der Sandgrube von Rambach“, verrät Sachgebietsleiter Thomas Franke. Dort baut ihn die Firma Petrasch aus Röhrda ab. Der Baubetriebshof holt den Sand dann nach Bedarf mit eigenen Lkw in Röhrda ab. „Am Wochenende hat Petrasch dann wegen der sich zuspitzenden Hochwasserlage extra für uns aufgemacht. Der zuständige Laderfahrer musste dafür von der 100-Jahr-Feier des Sportvereins aus Netra geholt werden“, schmunzelt Franke. Schade nur, dass loser Sand so gar keine fluthemmende Wirkung hat. „Wir haben wegen des Hochwasserplans auch immer Sandsäcke da. Meistens müssen die aber noch frisch befüllt werden“, erklärt der Sachgebietsleiter.

Sandsäcke, die bereits gefüllt beim Baubetriebshof lagerten, wurden zwar auch genutzt, waren aber bereits steif und hart, so dass sie sich nicht nur schlechter zum Dammbau eigneten, sondern auch nicht gut zu tragen waren. „Wir hatten ungefähr 8500 Sandsäcke in Reserve, befüllt wurden die dann von der Feuerwehr und unseren Leuten.

Bei Hochwasser sind bis zu zwei Drittel unserer Mitarbeiter – also um die 40 Mann – allein damit beschäftigt, Sandsäcke zu füllen und auszuliefern oder Hochwasserwarnschilder aufzustellen“, berichtet Franke. Die letzten Tage haben die Männer fast nur in der Gerätehalle verbracht. Mittlerweile sind noch 4 000 weitere Sandsäcke als Reserve geliefert worden, und vor der Halle warten beladene Lkw mit Sandsäcken auf ihre Anforderung.

„Wenn wir alle voll haben“, kommen wir auf insgesamt rund 15 000 Sandsäcke“, sagt Franke. Drei Arbeiter brauchen für zwei Säcke eine Minute. Und obwohl Sack und Sand allein nicht teuer sind, kostet der fertig verlegte Sandsack am Werraufer mindestens vier Euro, Löhne und Verbringungskosten dazugerechnet.

15 bis 25 Kilogramm wiegt jeder Sack, je nach Größe. Dafür halten dann nicht nur die Dämme einem enormen Wasserdruck stand, sondern Befüller und Verleger wissen abends auch, was sie den ganzen Tag über gemacht haben.

Von Wolfram Skupio

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