Verein Schlüsselblume startet nach Corona-Pause

„Schämen uns für Wortwahl“ - Lesung verglich Texte von Höcke und Goebbels

Die drei Redner (von links) Peter Radestock, Christina Reinhardt und Egon Vaupel stehen vor ihren Stehtischen und lesen Texte der AfD, die sie denen von Adolf Hitler und Joseph Goebbels gegenüberstellten.
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Peter Radestock, Christina Reinhardt und Egon Vaupel lasen Passagen aus AfD-Wahlprogrammen vor und stellten sie Texten von Adolf Hitler und Joseph Goebbels gegenüber.

Aufstehen gegen Rechtsschaffende“ hieß die Lesung am Freitag in Niederhone, mit der die Schlüsselblume nach dem Lockdown ihr Programm wieder startete.

„Wir freuen uns sehr, dass wir wieder Veranstaltungen machen dürfen, wenn auch mit großen Auflagen“, so Andrea Römer vom Verein.

Dort, wo sonst viele Menschen auf Sofas und Stühlen eng im Saal nebeneinander sitzen, um dem Geschehen auf der Bühne zu folgen, dürfen aktuell nur 20 Gäste mit viel Abstand zueinander sitzen. Dazu gibt es ein Hygiene-Konzept, Markierungen auf dem Fußboden und eine Einweisung zu Beginn der Veranstaltung.

Keiner solle sagen können: „Das haben wir nicht gewusst“

Zu Gast waren Christina Reinhardt, Egon Vaupel und Peter Radestock, die in ihrer Lesung Reden und Wahlprogramme der Alternative für Deutschland (AfD) vortrugen. „Man sollte die Wahlprogramme der AfD dringend lesen, keiner soll je wieder sagen können: Das haben wir nicht gewusst“, so Egon Vaupel, der selbst von 2005 bis 2015 Bürgermeister von Marburg war.

Immer wieder lasen die drei Protagonisten nicht nur Zitate der AfD vor, sondern auch Texte von Josef Goebbels oder Teile aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und zeigten so, dass sich die aktuellen Texte von denen von damals nicht groß unterscheiden. Während Vaupel Zitate aus Reden von Björn Höcke vortrug, zitierte Radestock ziemlich ähnliche Aussagen des Nazi-Propagandaministers Göbbels. „Was ist besser, die AfD oder ein Stau? Ein Stau, der kann sich bilden“, so Peter Radestock, der viele Jahre Oberspielleiter am Hessischen Landestheater Marburg war.

Fiktiver Ausblick in rechtsnationales Deutschland

Aber nicht nur in die Vergangenenheit schauten Christina Reinhardt, Egon Vaupel und Peter Radestock, sie wagten mit einem fiktiven Gespräch zwischen Vater und Tochter einen Ausblick in das Jahr 2050, wo die AfD in einer rechtsnationalen und faschistischen Regierung Deutschland lenkt.

„Papa, ich verstehe das nicht, warum habt ihr damals die AfD eigentlich als demokratische Partei akzeptiert?“ – „Die AfD hat sich zunächst als normale, demokratische Partei gegeben, wer hätte gedacht, dass die das ernst meinen, wir haben gedacht, das sei die Meinung einer Minderheit“, so Christina Vaupel und Peter Radestock in dem fiktiven Dialog.

„2019 gewann Höcke ein Viertel aller Wählerstimmen in Thüringen und die AfD kam nicht selten über 20 Prozent, Höcke durfte man damals schon ganz offiziell als Faschist bezeichnen.

Schlüsselblume: Lesebühne am 10. Juli

Mit Zahlen und Zitaten belegten die beiden in ihrem fiktiven Gespräch aus 2050, dass damals in 2019 schon viele Zeichen ganz eindeutig standen. Weiter lasen Christina Reinhardt, Egon Vaupel und Peter Radestock Drohbriefe und Hassmails vor, die viele Politiker in den vergangenen Jahren bekamen, unter anderem auch Michael Roth, Staatsminister für Europa.

„Für diese Wortwahl schämen wir uns, wenn wir sie vortragen“, erklärte Vaupel. „Erich Kästner sagte 1958 in Hamburg anlässlich des 25-jährigen Jahrestag der Bücherverbrennung: Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben“, so Christina Reinhardt, die an diesem Abend für Schauspielerin Franziska Knetsch auf der Bühne stand.

Bereits am 10. Juli findet in der Schlüsselblume die Lesebühne statt, am 29. August tritt Poetry-Slam-Champion Sebastian Krämer mit seinem neuen Programm auf. Die Plätze sind aufgrund der aktuellen Maßnahmen sehr begrenzt.

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