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Schafweiden fördern Artenvielfalt im Kreis

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Von: Michael Caspar

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Bewirtschaftet seit 20 Jahren den Ziegenhagener Heegenhof: Landwirt Hans-Jörg Winkler mit seinen Schafen, dem Hütehund und Wissenschaftlerin Anne Hopf.
Bewirtschaftet seit 20 Jahren den Ziegenhagener Heegenhof: Landwirt Hans-Jörg Winkler mit seinen Schafen, dem Hütehund und Wissenschaftlerin Anne Hopf. © michael caspar

Die Wissenschaftlerin Anne Hopf wirbt für „Reichtum an Strukturen“ auf beweideten Wiesen im Werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Schafe fressen eine Weide nicht gleichmäßig kurz. „Wir begrüßen das aus Naturschutz-Sicht“, betont Dr. Anne Hopf, die im Bundesprojekt „Schaf schafft Landschaft“ Beweidungskonzepte für den Werra-Meißner-Kreis erarbeitet.

„Nach der Beweidung wechseln sich kurzgefressene Bereiche mit Stellen ab, wo die Tiere die Pflanzen haben stehen lassen, weil sie sie nicht mochten“, führt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachgebiets Landschafts- und Vegetationsökologie der Universität Kassel aus. Auf Weiden finden sich plattgelegene Bereiche sowie Stellen mit offen getretenem Boden.

„Auf der nackten Erde haben lichthungrige, aber konkurrenzschwache Orchideen eine Chance, sich gegen schnellwüchsige Gräser durchzusetzen“, ergänzt Schäfer Hans-Jörg Winkler. Er bewirtschaftet mit seinen Merino-Schafen und den Ziegen die Flächen des Ziegenhagener Heegenhofs. Mit der Vielfalt an Strukturen steigt die Zahl der verschiedenen Pflanzen. Der Samen wird von Schafen, die an unterschiedlichen Orten weiden, über Fell, Klauen und Kot weitergetragen. Der Landwirt lässt zudem Büsche auf der Weide wachsen, weil sie seinen Tieren bei widriger Witterung oder im Hochsommer Schutz bieten. Dort finden auch Vögel und Kleintiere Zuflucht. Der selten gewordene Kreuzdorn-Zipfelfalter benötigt den Kreuzdorn-Busch. In Randbereichen gibt es Streifen mit älterem Gras, die bei Winkler bewusst ausgezäunt bleiben. Das lässt Insekten Zeit, sich zu entwickeln. Die Halme dienen ihnen als Kinderstube, aber auch als Winterquartier.

Schaf schafft Landschaft: Beweidungskonzept im Werra-Meißner-Kreis

„Intensiv genutztes Grünland, das vom Bauern mehrmals im Jahr gemäht wird, sieht viel ordentlicher aus, ist aber auch arm an Arten“, ergänzt Hopf. Viele Tiere kommen beim Mähen um, wobei es auch schonendere Techniken gibt, etwa den Einsatz eines Balkenmähers.

Noch artenärmer sind gemulchte Flächen, bei denen das gemähte Gras feingehäckselt wieder auf die Weise zurückgeworfen wird. „Als ich vor 30 Jahren meine Lehre gemacht habe, wurde noch kaum gemulcht“, erinnert sich Schäfer Winkler.

Landschaftspfleger auf vier Beinen: Merino-Schafe mit Lämmern einer Schwarzkopf-Einkreuzung.
Landschaftspfleger auf vier Beinen: Merino-Schafe mit Lämmern einer Schwarzkopf-Einkreuzung. © Caspar, Michael

In den vergangenen 20 Jahren habe diese Art der Bewirtschaftung deutlich zugenommen. Nicht nur um – oft auf Drängen der Verpächter – „unordentlich“ abgeweidete Flächen „schön“ herzurichten, sondern auch auf Streuobstwiesen oder entlang von Straßen. „Ich mulche in Ausnahmefällen selbst“, räumt Winkler ein. Er tue das allerdings nur kleinflächig auf den Streifen, auf denen er die mobilen Elektrozäune für seine Herde aufstellt.

Der Vorteil des Mulchens: Das gehäckselte Gras zersetzt sich rasch. So stehen die Nährstoffe den Pflanzen rasch wieder zur Verfügung. Die Geräte halten zudem austreibenden Scharzdorn klein. Das Mulchen großer Flächen wirke „verheerend“ auf die Artenvielfalt, weiß der Landwirt. Kaum ein Grashüpfer, kaum eine Raupe überlebe.

Von Michael Caspar

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