Flächen zum Jagen und Ruhen schaffen

Schlierbachswald: Arbeiten zur Gestaltung von Lebensraum für Wildkatzen beendet

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Unser Bild zeigt eine sogenannte Benjeshecke am Rand der Wiese am Schlierbachswald. Die abgeschnittenen Zweige der Weiden und Obstbäume wurden zu Wällen aufgeschichtet, in denen bald Grasmücken, Rotkehlchen und Drosseln brüten werden.

Das Naturschutzprojekt „Wildkatzenland an Werra und Meißner“ des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege hat im August des vergangenen Jahres von einem Gewinner der Hessischen Umweltlotterie Genau den Zusatzgewinn von 5000 Euro zugesprochen bekommen.

Von einem Großteil des Geldes wurden jetzt gemeinsam mit der Stadt Eschwege im Schlierbachswald umfangreiche Biotoppflegemaßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums der Wildkatzen umgesetzt.

Die Pflegearbeiten wurden von der Werkstatt für junge Menschen Eschwege unter Leitung von Peter Trube erledigt. An einer großen Waldwiese im Rosenthal wurden die Weiden am Schlierbach und die Hecken am Wiesenrand zurückgeschnitten. Auch einige alte Obstbäume, die umzustürzen drohten, wurden einem starken Pflegeschnitt unterzogen. Außerdem wurden eine Streuobstwiese und eine Bachwiese im ehemaligen Naturlehrgebiet unterhalb des alten, städtischen Forsthauses gemäht und von vorwüchsigen Gehölzen freigestellt.

Offenen Wiesencharakter erhalten 

„Die Arbeiten waren erforderlich, um den offenen Wiesencharakter am Schlierbach zu erhalten“, sagt Dr. Jörg Brauneis, Naturschutzbeauftragter des Jagdvereins. „Die Weiden sind aus einer Stecklingspflanzung der Jäger vor vielen Jahren hervorgegangen und fingen an, die Wiese zu beschatten. Wildkatzen aber brauchen im Wald auch offene und besonnte Bereiche, wo sie jagen und ruhen können.“ Außerdem fördere die Wiesenpflege viele andere Tierarten des Waldes. Im FFH-Gebiet Werra- und Wehretal, zu dem der Schlierbachswald gehört, seien dies unter anderem seltene Fledermausarten wie das große Mausohr. „Vielleicht kehrt eines Tages auch die seltene Kreuzotter wieder in den Schlierbachswald zurück“, so Dr. Jörg Brauneis. Die Wildkatze sei damit vor allem auch eine Leitart für den Naturschutz.

Die abgeschnittenen Zweige der Weiden und Obstbäume wurden als sogenannte Benjeshecke am Rand der Wiese zu Wällen aufgeschichtet, in denen bald Grasmücken, Rotkehlchen und Drosseln brüten werden.

„Die Pflegemaßnahmen, die nur im Winter erledigt werden dürfen, sehen im ersten Augenblick etwas brutal aus, dienen aber langfristig der Artenvielfalt“, sagt Dr. Jörg Brauneis. Schon im nächsten Frühjahr seien die gepflegten Wiesen ein Brennpunkt des Lebens.

Dank an Unbekannten 

„Wir möchten es nicht versäumen, dem unbekannten Gewinner dafür zu danken, dass das Wildkatzenschutzprojekt für den Zusatzgewinn ausgewählt wurde“, betonte Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege. „Das ermöglicht uns, solche Naturschutzprojekte umzusetzen. Bei der Stadt Eschwege bedanken wir uns, dass sie uns wieder einen Teil der Flächen für die Pflegemaßnahmen zu Verfügung gestellt hat.

Besiedlung weiterer Gebiete erwünscht

Das vielfach ausgezeichnete Naturschutzprojekt „Wildkatzenland an Werra und Meißner“ wurde vom Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege 2007 aus der Taufe gehoben. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es noch relativ viele Wildkatzen, die durch Lebensraumschutz, Waldnaturschutzmaßnahmen sowie Pflege von Waldwiesen erhalten und gefördert werden sollen. Dies hilft nicht nur, das Überleben der Wildkatzen an Werra und Meißner zu sichern – es sollen möglichst viele, junge Wildkatzen „auswandern“ und Waldgebiete besiedeln, in denen es bisher keine oder nur wenige Wildkatzen gibt. Leider stellen Straßen die größte Gefahr für die Wildkatzen dar.

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