Schnüffelnasenhelfen beim Suchen: Vier Polizeihunde gibt es bei der Polizeidirektion Werra-Meißner

Bestanden. Hund Cooper hat die Leistungsstandfeststellung mit Bravour gemeistert. Das freut Hundeführerin Martina Heimbuch. Fotos:  Polizei/nh

Eschwege. Vier Hunde unterstützen die Beamten der Polizeidirektion Werra-Meißner derzeit bei ihrer Arbeit: Drogen werden gefunden, Gewalttäter zur Ruhe gebracht. Die Ausbildung ist weder für Tier noch für Mensch ein Spaziergang.

So oft, wie die Luft eingesogen und wieder ausgeblasen wird, kann man gar nicht gucken: Bis zu 1000 Mal in der Minute atmet Dusty, wenn er sich auf die Suche nach Drogen macht: Amphetamine, Heroin, Haschisch und Kokain – der Hund der Rasse Malinois findet das Rauschgift mit seiner dafür ausgebildeten Nase. „Das ist sehr anstrengend für die Tiere“, erzählt der Polizeioberkommissar Mark Toporczissek. Er ist der Hundeführer von Dusty, bildet zugleich seit sechs Jahren alle anderen Hunde für die Polizeidirektion Werra-Meißner aus.

Vier gibt es davon derzeit im Kreis, allesamt Malinois’ wie Dusty. Zwei weitere werden gerade für den Polizeidienst vorbereitet – einer davon gehört zu Carolin Grede. Die 30-Jährige gehört seit März zur Polizeistation in der Kreisstadt, hat vor Kurzem erst das Eignungsauswahlverfahren bestanden, um überhaupt zur Ausbildung zur Hundeführerin zugelassen zu werden. „Ich hatte vorher auch schon privat mit Hunden zu tun und kenne mich mit den Tieren aus“, erzählt die gebürtige Eschwegerin. Die Entscheidung, nun diesen Schritt zu gehen, sei mit der gesamten Familie getroffen worden: „Man gibt den Hund ja nach Dienstschluss nirgendwo ab“, erklärt sie, „sondern der gehört dann mit zur Familie und wohnt auch bei uns“. Sowohl sie als auch Toporczissek sprechen deshalb nicht nur von einem Beruf, sondern eher von einer Berufung.

Alle 14 Tage trainieren beide mit ihren Kollegen vor allem, dass die Hunde das umsetzen, was von ihnen verlangt wird: So müssen die Tiere zwischen einem stehenden und einem flüchtenden Täter unterscheiden können, damit sie in ersterem Fall nicht zubeißen. Jährlich wird diese Gehorsamkeit von einem Polizeihundeführer aus Mühlheim überprüft, erst vor Kurzem war wieder einer zu Gast in der Kreisstadt. „Das ist quasi ein TÜV für den Hund“, sagt Toporczissek und lacht.

Was ihn besonders freut: Dass es auch Besitzer von größeren Gebäuden gibt, die diese für Einsatzsimulationen zur Verfügung stellen. Und auch der Baustelle auf der Wache können die Hundeführer etwas Gutes abgewinnen: Dort können von Kollegen gut Drogen versteckt und von den Hunden dann gesucht werden.

Was Toporczissek dabei wichtig ist: Dass keiner der Hunde abhängig vom Rauschgift gemacht wird. „Dieses Gerücht hält sich leider hartnäckig“, bedauert er. Vielmehr würden die Hunde gar nicht nach dem Koks oder den Amphetaminen suchen, sondern vielmehr nach einem Spielzeug: „Die Drogen werden zwei mal in Folie verpackt in ein Plastikröllchen gepackt, das mit wenigen Löchern versehen ist“, erklärt er. Das werde dem Hund dann als Spielzeug präsentiert, was er suchen soll. „Und dadurch, dass das Röllchen stabil und das Rauschgift zwei mal eingepackt ist, kann er das auch nicht fressen.“

So wird ein Polizist Hundeführer

1. Das Eignungsauswahlverfahren: Wer sich für eine der ausgeschriebenen Stellen als Hundeführer interessiert, muss ganz klassisch eine Bewerbung schreiben und dann ein sechswöchiges Praktikum bei einem erfahrenen Hundeführer absolvieren. Zudem ist die Teilnahme an einem Cooper-Sporttest verpflichtend, auch Ausbildungsstunden müssen besucht werden. Das Eignungsauswahlverfahren mündet dann in einem Gespräch. „Wer dieses Verfahren nicht schafft, ist raus“, macht Mark Toporczissek deutlich. 

2. Der Diensthund: Ist das Auswahlverfahren geschafft, wird als Nächstes ein Diensthund zugewiesen. „Dafür schreibe ich die in Mühlheim befindliche Hundeschule an, die sich dann darum kümmert.“ Ist ein Hund gefunden, wird der abgeholt. „Sechs Wochen hat man dann Zeit, sich aneinander zu gewöhnen.“ Verstehen sich Mensch und Tier nicht, wird nach einem neuen Hund geschaut. Ausgewählt würden von der Hundeschule nur gesunde, meist 13 bis 18 Monate alte Tiere. Geschaut werde zum Beispiel nach den Zähnen und auch nach einer möglichen Hüftdysplasie. „Die wäre ein Ausschlusskriterium, weil die Hunde schon einer hohen Belastung ausgesetzt sind“, erklärt Toporczissek. 

3. Der Lehrgang: Mit dem bestandenen Auswahlverfahren und dem Hund im Gepäck geht es für die angehenden Hundeführer dann für zwölf Wochen nach Mühlheim. Den ganzen Tag wird dort mit dem Hund gearbeitet. „Das ist so anstrengend, dass man auch im Winter durchaus mehrmals täglich sein T-Shirt wechseln muss“, gesteht der 43-jährige Ausbildungsleiter. Bestätigen kann Carolin Grede das schon allein von den Übungsstunden, mit denen sie sich in Eschwege auf ihren Lehrgang zu Beginn des Jahres vorbereitet: „Die Hunde laufen ja auch hinter einem her und beißen einem auch mal in den Arm“, erklärt sie, „da kann man schon ganz schön Muskelkater bekommen.“ Natürlich stecken sie und die Kollegen dann in Schutzanzügen, sodass sie keine Blessuren davontragen. Geübt werde bei dem Lehrgang das Stellen und Aufspüren von Personen und das Schützen der Polizisten.

 4. Der Aufbaulehrgang: Ist der Schutzhund-Lehrgang erfolgreich absolviert, werden die meisten Hunde noch zu sogenannten Kombihunden ausgebildet. Hier erst lernen die Tiere, Rauschgift aufzuspüren: Das passiert ebenfalls in Mühlheim. Ebenso wie für die Drogen auch noch Hunde, die Leichen und Sprengstoff aufspüren, „neuerdings werden die Rauschgifthunde auch dahingehend ausgebildet, dass sie Banknoten aufspüren können“, erzählt Toporczissek. Diese Hunde gibt es im Bezirk der Polizeidirektion Werra-Meißner aber nicht, „wir haben hier diejenigen, die die Drogen aufspüren“.

Wussten Sie schon, dass...

... für den Polizeidienst mehr Rüden als Hündinnen angeschafft werden? Grund ist Läufigkeit der Hündinnen: Während dieser Zeit sind die weiblichen Tiere dann meist nicht nur nicht voll einsatzfähig, die Hitze hat auch Auswirkungen auf die Rüden: „Die konzentrieren sich an den Ausbildungstagen dann weniger auf das, was sie lernen sollen, als auf die Hündin“, erklärt Mark Toporczissek. 

... oft deutsche Schäferhunde eingesetzt werden? Die werden mit bis zu 40 Kilo aber ganz schön schwer, „weshalb wir hier die belgische Variante, die Malinois, haben“. Toporczisseks Hund Dusty wiege mit 32 Kilo schon viel, „in der Regel sind es so 30“. Das Gewicht ist nicht ganz unerheblich: „Es kann auch mal vorkommen, dass wir unseren Hund hochheben müssen, weil wir selbst in ein Haus nicht reinkommen, die Hunde aber durch ein offen stehendes Fenster hineingehoben werden können“, erklärt Carolin Grede. Auch Riesenschnauzer oder Herder würden eingesetzt werden, selten ist die Bouvier-Rasse. 

... zehn Jahre das durchschnittliche Alter ist, mit dem ein Hund aus dem Polizeidienst entlassen wird? Abgeschoben wird das Tier danach aber nicht: „Vom Land gibt es eine Art Pflegevertrag, wenn wir den Hund weiterhin behalten“, sagt Carolin Grede. Aber selbst ohne das Geld kann sie sich nicht vorstellen, ihren Hund dann einfach so wegzugeben: „Der hat einen dann so lange begleitet, dass er Teil der Familie ist.“

... ein Diensthund bis zu sechs Kollegen bei einer Gewalttat ersetzt? „Die Menschen haben sofort Respekt“, sagt Carolin Grede. Deshalb werde nach Möglichkeit immer ein Hundeführer mitgenommen. Die Malinois werden dabei immer an der Leine geführt und tragen einen Maulkorb. Wie oft die Hunde zum Einsatz kommen, könne man nicht quantifizieren: „Mal kommt es häufiger vor, dann wieder nicht.“ Möglich ist auch, dass sie zu Einsätzen außerhalb des Bezirks der Polizeidirektion Werra-Meißner gerufen werden.

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