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Schulleitungen – besonders an Grundschulen – sind schwer zu besetzen

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Von: Jessica Sippel

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Ein Junge hält ein Tablet.
Digitalisierung gehört zu den Heruasforderungen, denen sich Schulleiter stellen müssen. © Julian Stratenschulte/dpa

Nicht nur Lehrer fehlen an vielen Schulen, auch die Besetzung der Schulleitungen wird immer mehr zur Herausforderung. Im Vergleich zu Nachbarkreisen steht der Werra-Meißner derzeit noch recht gut da: Bis auf zwei Ausnahmen sind alle Stellen der Schulleitungen besetzt: Am Oberstufengymnasium in Eschwege und an der Hirschbergschule Rommerode haben die Schulleiterinnen zu Anfang Februar ihren aktiven Dienst beendet.

Werra-Meißner - Im Landkreis Hersfeld Rotenburg fehlten zuletzt die Leitungen an drei Grundschulen – seit dem Sommer 2021 und ohne Aussicht auf Besserung (Stand Ende Januar). Die beiden fehlenden Leitungspositionen im Werra-Meißner-Kreis befinden sich laut Jürgen Krompholz vom Staatlichen Schulamt aktuell im Besetzungsverfahren. „Wir gehen aufgrund der guten Bewerbungslage von einer sehr zeitnahen Nachbesetzung aus“, sagt er.

Derzeit gibt es demnach kein akutes Nachwuchsproblem. Doch viele Schulleiter nehmen ein zunehmend mangelndes Interesse an den Leitungspositionen wahr – verstärkt durch die Pandemie. „Das berichten alle Schulleitungen unisono“, sagt Andreas Hilmes von der Johannisberg-Schule in Witzenhausen, der sich regelmäßig mit Kollegen bei Dienstversammlung und hessenweiten Arbeitsgruppen austauscht. „Nachwuchsprobleme sind seit Jahren bekannt“, sagt auch Ute Walter, Schulleiterin der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Die Coronapandemie verstärke und erschwere die Situation.

Wachsendes Spektrum: Ganztagsschulen, Digitalisierung, Inklusion

Zu Beobachten sei das Phänomen besonders an Grundschulen, berichten Hilmes und Krompholz. Gründe seien das stetig wachsende Aufgabenspektrum wie Digitalisierung, Ganztagsbetreuung und Inklusion, verbunden mit den klassischen Aufgaben wie Personalführung und Schulentwicklung. Dazu kommt eine geringere Besoldung gegenüber Leitungspositionen von weiterführenden Schulen. Dem will das Land ebenso wie die regionale Schulaufsicht entgegensteuern, so Krompholz, etwa mit Weiterbildungen und der Einführung von Konrektoren zur Entlastung der Grundschulleiter.

Traumberuf mit Herausforderungen

Streitende Kinder auf dem Schulhof, launische Jugendliche im Unterricht, alle soll man aus bildender und pädagogischer Sicht möglichst gut auf das berufliche und gesellschaftliche Leben vorbereiten. Was nach einem schwierigen Job mit viel Verantwortung klingt, ist genau das. Aber er ist für manche Menschen auch ein Traumberuf.

„Die Schule bereitet Kinder und Jugendliche auf die Zukunft vor. Hier an erster Stelle verantwortlich arbeiten zu dürfen und langjährige Erfahrung einbringen zu können, ist eine überaus sinnstiftende Aufgabe“, sagt etwa Ute Walter dazu, Schulleiterin der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege. Dem schließt sich auch Andreas Hilmes von der Johannisberg-Schule in Witzenhausen an, denn Lehrer sowie Schulleiter haben die Möglichkeit, Biografien von ganzen Generationen an Schülerinnen und Schülern mitzuprägen. „Das betrachte ich als großes Privileg, das mit einer großen Verantwortung einhergeht.“

Entwicklung versus finanzielle Mittel

Trotzdem stellt der Beruf die Schulleiterinnen und Schulleiter auch täglich vor neue Herausforderungen. Zum einen ist es das Ziel, das schulische Leben stets weiter zu entwickeln, etwas was die Digitalisierung und das Personal betrifft, andererseits sind die Mittel aber beschränkt. „Die begrenzten Ressourcen des Schulträgers machen Instandhaltungen und Sanierungen von Teilen des Schulgebäudes zu einer Aufgabe, die sich über Jahrzehnte hinzieht“, sagt Ute Walter. Zudem sei es immer schwieriger, Nachwuchs bei den Lehrkräften zu finden. Für viele Fächer gebe es gar keine Bewerbungen mehr.

Verwaltungsaufwand hat deutlich zugenommen

Auch der Verwaltungsaufwand habe über die Jahre deutlich zugenommen – durch die Pandemie sei das noch einmal verstärkt. Selbstverständlich gehe Schulleitung nicht ohne Verwaltung, fügt Andreas Hilmes hinzu, aber aktuell überwiege sie deutlich vor allen anderen Tätigkeiten. „Ich wünsche mir wieder mehr Zeit für Schulentwicklung und vor allen Dingen die pädagogische Arbeit, die so wichtig für unsere Kinder und Jugendlichen ist“, sagt er. Die Bürokratie und die Trennung der inneren und äußeren Schulverwaltung sorgen für so manches graue Haar bei ihm. „Es gibt viele Momente, in denen wir in der Praxis gerne pragmatische Lösungen im Sinne der Kinder finden würden, dies aber an Fragen der Zuständigkeit oder einem unglaublichen bürokratischen Aufwand scheitert.“ Wenn ein Kind dringend Hilfe braucht, sagt er, muss es die zeitnah erhalten.

Trotz der Schwierigkeiten ist die tägliche Unterstützung von jungen Menschen das, was ihren Beruf so abwechslungsreich, sinngebend und besonders macht, sagen die beiden Schulleiter. Das gelte besonders für die Kinder und Jugendlichen, die ansonsten keine große Unterstützung erfahren. „Schule sollte einen Beitrag dazu leisten, dass die Kinder – unabhängig vom Elternhaus – vergleichbare Bildungschancen haben“, sagt Hilmes. Daher sei an der Stelle als Schulleiter die Gestaltungs-, Wirkungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeit an eben diese Stellen besonders reizvoll. „Vor allem sind es aber die Menschen, an denen mein Herz hängt“, sagt Hilmes. (Jessica Sippel)

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