Handwerkerschaft beklagt Schwächung des Wirtschaftsstandorts

Schwarzarbeit trifft den Kreis besonders

+

Eschwege. „Schwarzarbeit ist ein Thema, das uns seit Jahrzehnten begleitet", sagt Stephan Schenker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner. Von „mehreren Fällen im Monat" berichtet Barbara Funke, die bei der Kammer für die Bekämpfung von Schwarzarbeit verantwortlich ist.

„Im Werra-Meißner-Kreis leiden wir wegen unserer Insellage ganz besonders unter Schwarzarbeit“, so Schenker. Der Wirtschaftsstandort werde geschwächt, Wertschöpfung gehe verloren. Betroffen sind nach Angaben Funkes vor allem das Maler- und Lackiererhandwerk, aber auch andere Baugewerke; „alles, was keinen großen technischen Aufwand erfordert“. Mit steigenden Temperaturen und besserem Wetter nehme die Häufigkeit in der wärmeren Jahreszeit zu.

Zwei Voraussetzungen begünstigen nach Schenkers Einschätzung Schwarzarbeit. Solange das Delikt zunächst lediglich als Ordnungswidrigkeit bewertet werde, liege die Einstiegsschwelle niedrig. Gleichwohl dürfe nicht vergessen werden, dass schnell auch Straftatbestände erfüllt werden, wenn mit illegaler Arbeit Steuerhinterziehung und Sozialabgabenbetrug einher gingen.

„Außerdem sollten wir die Besteuerung und die steuerliche Absetzbarkeit handwerklicher Leistungen überdenken und ändern“, sagt Schenker. Die Reduzierung der Mehrwertsteuer sei eine Möglichkeit, eine andere die Verdoppelung der Summe, die private Auftraggeber steuerlich geltend machen können. Und schließlich müssten Gewinne aus Schwarzarbeit vom Staat abgeschöpft werden.

Richtig ärgerlich wird Schwarzarbeit nach Ansicht Stephan Schenkers, wenn gleichzeitig Sozialleistungen bezogen werden: Gemeint sind Handwerker, die neben dem Bezug von Arbeitslosengeld oder Hartz IV auf dem Bau arbeiten und damit die staatliche Hilfe illegal aufstocken.

Von Harald Sagawe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare