Sechseinhalb Jahre Haft für Eschweger Messerstecher

Eschwege. Der 30-jährige Eschweger, der im vergangenen Juli einen Bekannten mit zahlreichen Messerstichen so verletzt hatte, dass er vom Hals an abwärts dauerhaft querschnittsgelähmt bleibt, ist zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Die Strafe wurde gestern nach fünf Verhandlungstagen von dem Schwurgericht des Kasseler Landgerichtes verhängt. Zudem muss der Eschweger einen Entzug im Maßregelvollzug machen (siehe Hintergrund).

Ursprünglich war der Mann von der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes angeklagt worden. Weil er zum Tatzeitpunkt aber durch einen nicht unerheblichen Alkohol- und Drogenkonsum und einer dadurch ausgelösten Psychose unter verminderter Schuldfähigkeit stand, kam sie davon ab und forderte eine Verurteilung wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Maximal sieben Jahre und sechs Monate kann es dafür bei verminderter Schuldfähigkeit geben.

Dass die Kammer ebenfalls nicht mehr von versuchtem Mord ausging, hängt auch mit dem Verhalten des Angeklagten direkt nach der Tat zusammen: Er rief die Polizei und führte diese zum 58-jährigen Opfer. „Dadurch ist ein Rettungswille zu erkennen, wodurch es kein Mord mehr ist.“

Dass das Schwurgericht mit dem Urteil aber nur ein Jahr unter dem Höchstmaß für die gefährliche Körperverletzung blieb, begründete sie mit den vielen strafverschärfenden Aspekten: Zahlreiche Vorstrafen besäße der noch junge Mann, sei zudem vor der ihm jetzt zur Last gelegten Tat noch nicht lange aus der Haft wegen eines anderen Vergehens entlassen gewesen. Die mildernden Umstände, wie die Therapiebereitschaft, der Anruf bei der Polizei sowie die Scham, die der Angeklagte während der Verhandlung zeigte, könnten da nicht so viel abfangen, dass das Urteil milder ausfallen könnte.

Hintergrund: Erziehungsanstalt als Strafe

Aufgrund dessen, dass der Angeklagte während der ihm vorgeworfenen Tat unter dem Einfluss von Alkohol und Amphetaminen gestanden hat, wird er nach Paragraf 64 in einer Erziehungsanstalt untergebracht. In einen solchen Maßregelvollzug kommen Straftäter, die psychisch oder suchtkrank sind. Neben der Sicherung der Allgemeinheit vor den Tätern geht es auch darum, diesen Therapien anzubieten, damit sie von ihrer Sucht geheilt oder ihre Persönlichkeiten stabilisiert werden. Zwei Jahre muss der 30-Jährige die Therapie machen. „Wir sehen das als die letzte Möglichkeit für den Angeklagten, von seiner Abhängigkeit loszukommen“, hieß es vonseiten des Gerichts.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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