Unfallfahrer muss 3000 Euro an Opfer zahlen

Sekundenschlaf auf der Überholspur: Strafprozess um schweren Unfall auf B7

Kassel. Im Strafprozess um einen schweren Unfall auf der B7 bei Oberkaufungen im Oktober 2012 hat das Kasseler Amtsgericht das Verfahren am Mittwoch nach gut dreistündiger Verhandlung vorläufig eingestellt.

Dem 34-jährigen Angeklagten wurde auferlegt, zur Schadenswiedergutmachung je 1500 Euro an die beiden Kaufunger zu zahlen, die bei dem Unfall verletzt worden waren.

Der aus Eschwege stammende und im Raum Kassel wohnhafte Familienvater hatte die Zahlungen zuvor angeboten. Sind die 3000 Euro bis Ende Mai übergeben, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Der 34-Jährige muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.

Die beiden Geschädigten, zwei Brüder, hatten keine Anträge auf Schmerzensgeld oder Ähnliches gestellt. Sie hatten auch nicht als Nebenkläger am Prozess teilgenommen und waren nicht mehr im Saal als die Modalitäten einer Verfahrenseinstellung diskutiert wurden.

Die Anklage hatte dem 34-Jährigen fahrlässige Körperverletzung und eine Gefährdung des Straßenverkehrs vorgeworfen. Er habe mit seinem Wagen zu einem grob verkehrswidrigen und rücksichtslosen Überholmanöver angesetzt, bevor er frontal mit dem Wagen kollidierte, in dem die Kaufunger Brüder saßen, hieß es dort.

Doch auch mithilfe eines technischen und eines rechtsmedizinischen Sachverständigen ließ sich der Unfallhergang am Mittwoch nicht abschließend klären. Der Rechtsmediziner hatte es für das wahrscheinlichste Szenario gehalten, dass der Angeklagte müde war und in einen Sekundenschlaf verfiel. Theoretisch denkbar seien auch medizinische Ursachen für eine kurze Bewusstlosigkeit - so etwas sei aber selten. Um auch Seltenes auszuschließen, solle der Angeklagte sich untersuchen lassen, riet ihm Richterin Müller-Krohe dringend: „Sie sollten der Sache noch einmal auf den Grund gehen.“

Der 34-Jährige, der bislang weder strafrechtlich noch als Verkehrssünder aufgefallen war, hatte ausgesagt, er habe in der Nacht vor dem Unfall-Sonntag Nachtschicht gearbeitet, dann gefrühstückt und sei mit seiner Frau nach Eschwege gefahren. Auf der Rückfahrt habe er den Wagen gelenkt: „Ich war fit zum Fahren.“ Seine Frau berichtete, sie habe geschlafen, als sich der Unfall ereignete. Vor Fahrtantritt habe ihr Mann damals fit gewirkt: „Sonst wäre ich ja gefahren.“ Inzwischen lege der 34-Jährige sich nach der Nachtschicht aber

sofort schlafen.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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