Skunk Anansie - der Vulkan brodelt wieder

Noch immer voller Power: (von links) Gitarrist Ace, Sängerin Skin, Drummer Mark Richardson und Bassist Cass. Foto:  AFP PHOTO / Jure Makovec

In den 90er Jahren waren sie eine der erfolgreichsten Bands weltweit. Mit Hits wie „Hedonism“ stürmten sie nicht nur die Charts, sondern setzten mit ihrem unnachahmlichen Stil aus brachialen Rock-Riffs, ungebändigter Drumpower und satten Vocals der charismatischen Frontfrau Skin auch gewaltige Meilensteine in der Musikhistorie. Heute Abend wollen Skunk Anansie auf der Seebühne beweisen, dass Crossover noch lange nicht tot ist und sie selber trotz ihrer jahrelangen Auszeit nicht zum alten Eisen gehören.

Textlich und musikalisch fährt die Band seit ehedem starke Geschütze auf: Politik, Rassen- und Geschlechterdiskriminierung sind feste Bestandteile des Themenspektrums. Skins explosives Temperament sorgt bei Liveauftritten für Feuer unterm Dach. Nach ausgedehnten Gastspielen auf Europas Festivalbühnen im Jahr 2011 kam im September 2012 das neueste Album „Black Traffic“ als selbstständiges Release ohne großes Label im Rücken in die Läden. Als Reunion versteht die Band ihr neuerliches gemeinsames Schaffen aber nicht. Die meisten Bands, die sich wieder zusammentun, schachern mit der Vergangenheit. Skunk Anansie interessiert vor allem die Zukunft da draußen. Zudem ist der Grundantrieb für die Band heute nicht großartig anders als im Gründungsjahr 1994 und Skunk Anansie genießen es, die Außenseiter zu sein. „Wir sind sehr stolz auf unser Schaffen in der Vergangenheit, aber was uns antreibt, ist die Zukunft.“

1995 erschien das Debüt von Skunk Anansie, 2001 brach die Band auseinander und Sängerin Skin startete eine Solo-Karriere. Doch nach zwölf Jahren Unterbruch veröffentlichen die britischen Rocker mit „Wonderlustre“ ihr definitives Comeback-Album. Skunk Anansie rauften sich 2009 erstmals nach damals acht Jahren Pause wieder zusammen. Eigentlich um ein „Greatest Hit“-Album aufzunehmen. Da bemerkte die Band um Mark Kent und Frontsängerin Deborah Anne Dyer alias Skin, wie viel Leidenschaft noch in Skunk Anansie steckt. Nach ersten weiteren Konzerten und einer Greatest-Hits-CD mit drei neuen Songs erschien mit „Wonderlustre“ das definitive Comeback-Album des englischen Quartetts. Auch mit dem letzten Album Black Traffic (2012) blieben die Briten ihrem Stil treu. Der muskulöse Gitarrenrock ist zwar nicht mehr ganz zeitgemäß, Skins Gesangs-Eruptionen reißen einen aber immer noch mit.

Wenn Skunk Anansie heute Abend die Seebühne entern, dann dürfen sich die Fans nicht nur auf ein Stück Musikgeschichte freuen. Denn Skunk Anansie ist lebendiger denn je, voller ungebändigter Power und mit mehr Leidenschaft für kraftvolle, mitreißende Live-Performance denn je.

Skunk Anansie, heute, 22.10 Uhr, Seebühne

Von Matthias Schäfer

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