"Sehnsucht nach regionalen Produkten wächst"

So werden in Nordhessen Bio-Apfelchips mit regionalem Obst hergestellt

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Heimische Apfelchips aus dem Dörrautomat: Heide Tilgner und Wolf von Bültzingslöwen vom BUND-Kreisverband Werra-Meißner mit den 75-Gramm-Tüten der Apfelchips, hergestellt aus alten Apfelsorten der Region.

Apfelbäume gehören zu Nordhessen - da sind sich mehrere Initiativen und Verbände einig. Gemeinsam haben sie eine neue nordhessische Spezialität entwickelt, zu der auch die Brüder Grimm beitragen.

„Streuobstwiesen in der Region können vor allem dann erhalten werden, wenn das Obst gegessen wird“, davon ist Wolf von Bültzingslöwen vom BUND überzeugt. Im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Kassel gibt es noch viele solcher Wiesen, die an Hängen oder Wegesrändern liegen und auf denen ein Bestand alter Apfelsorten vorhanden ist.

Um diese zu nutzen, haben sich die Ökolandbau Modellregion Nordhessen mit ihrer AG Streuobst, die Streuobstinitiative Werra-Meißner, die Streuobstinitiative im Landkreis Kassel, die Grimm-Heimat Nordhessen, der BUND-Kreisverband Werra-Meißner und der Eschweger Verein Aufwind zusammengetan. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, Bio-Apfelchips aus der Region herzustellen. Das fertige Produkt stellten sie in Eschwege vor.

„Äpfel sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Region und elementar für unsere Märchenheimat“, sagt Markus Exner von der Grimm-Heimat Nordhessen. „Der Apfel ist nicht nur Symbol des Lebens, sondern spielt auch in vielen der Grimms Märchen eine Rolle.“ Die Äpfel für die Bio-Apfelchips, die den Namen „Grimms Märchengold“ tragen, werden auf den Wiesen der beteiligten Bauern der Initiativen in beiden Landkreisen von Hand gepflückt. Anschließend werden die Äpfel gesammelt und in den Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege (GWE), die zum Verein Aufwind gehören, verarbeitet.

Die GWE haben in dieses Projekt investiert, um ihren Beschäftigten, Menschen mit seelischer Behinderung, Arbeit zu geben, die sie mit ihren Möglichkeiten erfüllen können. So verbinden sich soziale und ökologische Aspekte in dem Projekt. „Wir haben spezielle Maschinen angeschafft, um die Äpfel zu schneiden und anschließend zu trocknen“, sagt Werkstattleiter Rolf Eckhardt. Gefördert wurde die Finanzierung über den Werra-Meißner-Kreis durch das Leader-Programm der Europäischen Union.

Die Äpfel werden ohne den Zusatz von Schwefel im Dörrautomat getrocknet. Jede 75-Gramm-Tüte entspricht einem Kilogramm verarbeiteter Äpfel. Sie besitzen noch ihre Schale und somit den vollen Vitamingehalt. „Eigentlich hatten wir angedacht, in einer Saison sechs Tonnen Äpfel zu Chips zu verarbeiten“, sagt Torsten Rapp von der Streuobstinitiative Werra-Meißner. „Doch in diesem Jahr hatten wir bis zu 80 Prozent Einbußen.“ Grund dafür war eine Frostnacht Anfang April.

Ziel der Ökolandbau Modellregion Nordhessen ist, dass mehr Bio aus der Region in der Region vermarktet werden kann. „Die Sehnsucht nach regionalen Produkten wächst“, sagt Koordinatorin Sabine Marten. „In den Apfelchips kann man ein Stück Heimat schmecken.“ 179 alte Apfelsorten gibt es in den Landkreisen. Und so schmeckt jeder Apfelchip anders.

Info: Bezogen werden können die Apfelchips über die sieben Läden, die der Verein Aufwind über seine Integrationsfirma im Werra-Meißner-Kreis betreibt, über die Absatzgenossenschaft Unterrieden und über die Shops der Museumslandschaft Hessen-Kassel.

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