Niedrigzins-Phase soll noch vier Jahre anhalten

Sparkasse erwartet sinkende Erträge

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Werra-Meißner. Noch sind die Zahlen gut, aber für die nächsten Jahre rechnet die Sparkasse Werra-Meißner mit deutlichen Ertragseinbußen. Vorstand Frank Nickel geht davon aus, dass bis 2020 die Erträge insgesamt um bis zu sechs Millionen Euro zurückgehen.

Grund sei die anhaltende Niedrigzinsphase, sagte er bei der jährlichen Pressekonferenz. Die strategische Planung der Bank rechnet damit, dass die Zinsen noch mindestens vier Jahre niedrig bleiben.

Dennoch gebe es derzeit noch keinen Grund zur Sorge. „Unser Ergebnis war auch 2015 wieder gut“, sagte Nickel. So habe man unterm Strich noch einen Gewinn von 2,5 Mio. Euro erwirtschaftet – im Vorjahr waren es ebenfalls 2,5 Millionen. Die Bilanzsumme lag bei 1,7 Milliarden Euro (2014: 1,7 Milliarden).

Trotzdem muss die Bank Kosten sparen: Bis 2020 soll die Belegschaft von derzeit 396 auf 350 Mitarbeiter schrumpfen – nicht durch Entlassungen, sondern indem freie Stellen nicht wieder besetzt werden. Gleichzeitig betonte Nickel, die insgesamt 30 Ausbildungsplätze halten zu wollen, um die benötigten Fachkräfte selbst auszubilden. Chancen auf eine Lehrstelle hätten neben Abiturienten auch gute Realschüler. Die Zahl der Geschäftsstellen soll vorerst nicht verkleinert werden, ihre Öffnungszeiten aber vermehrt an die Arbeitszeiten der Kunden angepasst werden. Eine Öffnung am Samstag sei gut angenommen worden, so Nickel.

Menschen verunsichert bei Geldanlage

Die wirtschaftliche Lage ist gut, die Arbeitslosigkeit so niedrig wie nie, aber die Verunsicherung der Menschen im Werra-Meißner-Kreis steigt. Das ist der Eindruck von Marc Semmel, seit 1. Januar für den Vertrieb zuständiger Vorstand der Sparkasse Werra-Meißner. Die Kundeneinlagen auf den derzeit wenig rentablen Sparbüchern und Konten gingen 2015 von 1,14 auf 1,12 Milliarden Euro nur leicht zurück – weil viele vor einer Entscheidung zur Geldanlage zurückschreckten.

Die Frage „Wie lege ich mein Geld sicher an“, treibe viele um, so Semmel. Das Angebot von Anlageprodukten sei auf dem Markt sehr unübersichtlich. Die meisten Kunden entschieden sich letztlich für einen Mix aus festverzinslichem Sparen, Aktien und Sachwerte wie Gold und Immobilien. Der im Vorjahr begonnene Trend, angesichts niedriger Zinsen ins Eigenheim zu investieren, habe sich fortgesetzt, so der Sparkassen-Vorstand. Auch der Markt für Häuser und Grundstücke sei stabil. Die Kreditvergabe an Privatkunden sei 2015 um 3,7 Mio. Euro auf 71,3 Mio. Euro gesteigert worden.

Den hiesigen Firmen gehe es ebenfalls gut, ergänzt Vorstands-Kollege Frank Nickel. „Viele sind liquide und brauchen keine Kredite.“ Andere würden gezielt in die Erweiterung ihrer Firmen investieren – hier gab es in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung: Erteilte die Sparkasse 2013 nur Kreditzusagen in Höhe von 56 Mio. Euro, waren es 2014 schon 74 Mio., 2015 sogar 121 Millionen.

Nur mit den Kommunen macht die Sparkasse derzeit schlechte Geschäfte: Viele Schutzschirm-Kommunen würden wenig Kredite aufnehmen, könnten aber durch die Hilfe des Landes alte Schulden abbauen. Gleichzeitig würden viele Banken mit Zinssätzen von null Prozent gezielt um Kommunen werben. „So können wir aber nicht wirtschaftlich arbeiten“, so Nickel.

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