Nach dem Ringen um Regierung und Positionen

SPD-Abgeordneter Michael Roth: Nur er und die Kanzlerin

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Durchschnaufen in der Heimat nach aufregenden Tagen und Wochen in Berlin: Michael Roth, Bundestagsabgeordneter für Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner, bleibt auch in der neuen Bundesregierung, das, was er war: Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt.

Werra-Meißner. Die alte und neue Regierungskoalition in Berlin steht, die Positionen sind vergeben: Wir haben mit dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten und Europa-Staatsminister Michael Roth gesprochen.

„In der Demokratie muss man sich immer darauf einstellen, dass das Regierungsamt von heute auf morgen vorbei ist.“ Das hat Michael Roth gesagt, an einem milden Tag im August vergangenen Jahres, als sein Porträt für die Bundestagswahl im September geschrieben wurde.

An einem der ersten milden Märztage 2018 ist Roth, der in Berlin den Wahlkreis Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner vertritt, noch immer Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. „Ich bin neben der Bundeskanzlerin der einzige am Kabinettstisch, der seinen Platz behalten hat“, schmunzelt Roth. Viele seien nicht mehr dabei, andere hätten die Position gewechselt.

Dabei sah es lange nicht so aus, als würde Michael Roth in dieser Legislaturperiode mehr sein als ein einfacher Abgeordneter der Sozialdemokraten.

Wechselbad der Gefühle

Das desaströse Wahlergebnis für seine Partei, der persönliche Erfolg mit dem abermaligen direkten Einzug in den Bundestag, der erklärte Rückzug der SPD in die Opposition - bereits hier sei er einem „Wechselbad der Gefühle“ ausgesetzt gewesen. Mit der Aussicht, dass Union, FDP und Grüne in einem Jamika-Bündnis die neue Regierung bilden würden, habe er in seinem Büro schon Sachen gepackt, sich verabschiedet und nach neuen Aufgaben für seine Mitarbeiter Ausschau gehalten, berichtet Roth. „Es war auf einmal auch sehr ruhig“, erzählt er, „weil niemand mehr angerufen hat. Nachher habe ich erfahren, dass sich die Kollegen aus Europa schon bei der FDP und den Grünen gemeldet haben.“

Und dann auf einmal wieder alles andersherum. Der selbstquälerische Prozess der SPD durch die Sondierungen, den Parteitag, die Koalitionsverhandlungen und schließlich die Abstimmung unter den Mitgliedern: „Dass wir über den richtigen Weg gestritten haben, war aber sehr wichtig. Wir haben nun Gewissheit.“

Kein Wegducken

Roth, der seit dem Scheitern von Jamaika für eine Neuauflage der Großen Koalition eintrat, ist überzeugt davon, dass sich eine klare Haltung auszahlt. Fürs Wegducken und Nach-dem-Mund-reden würde man am Ende abgestraft, das bringe nichts.

Dass sein Name in einigen Medien als Kandidat sogar für den Außenminister gehandelt wurde, das hat ihn gefreut - wohl wissend, dass seine Chancen eher gering waren. „Ich bin keine Frau und kein Niedersachse“, spielt Roth auf die Vorgaben seiner Partei beim Personal-Tableau an. Bei einigen gesetzten Vertretern und der Berücksichtigung des nördlichen Nachbarlandes war der Spielraum gering.

Auch hätte der Chefposten im Ministerium seine Arbeit im Wahlkreis eingeschränkt. „Das wäre ungleich schwerer geworden“, weiß Roth um die Zwänge des Terminplans. In seinen bisherigen vier Jahren als EU-Staatsminister hat er für sich selbst einen Rhythmus gefunden. der es ihm meist ermöglicht, an den Wochenenden nach Hause zu fahren und für die Menschen im Wahlkreis dazusein.

Auch wenn es in der Demokratie von heute auf morgen vorbei sein kann.

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