Sportvereine: Mehr Frauen an der Spitze

Werra-Meißner. Immer mehr Frauen führen große Sportvereine im Werra-Meißner-Kreis. Das sei eine erfreuliche Tendenz der vergangenen zehn Jahre, sagt der Sportkreisvorsitzende Siegfried Finkhäuser.

„Bei drei der größten Sportvereine stehen Frauen als Vorsitzende an der Spitze und führen zwischen 700 und 1250 Mitglieder: bei der TSG Bad Sooden Allendorf, beim TV Hessisch Lichtenau und beim TV Sontra.“

Betrachtet man alle 230 Sportvereine im Kreis, sind Frauen aber dennoch unterrepräsentiert. 36 bekleiden das Führungsamt, das sind knapp 16 Prozent. Zum Vergleich: Im benachbarten Sportkreis Schwalm-Eder sind es mit zehn Prozent noch weniger.

Nicht vergessen dürfe man dabei, dass Frauen oft andere Posten im Vorstand übernehmen, sagt Finkhäuser. Sie seien beispielsweise Schriftführerin oder Kassenwartin. Außerdem gebe es viele Übungsleiterinnen.

„Das hält sich mit Männern mindestens die Waage. Insgesamt würde ich die Entwicklung deshalb als positiv bewerten. Insbesondere wenn man bedenkt, dass noch vor wenigen Jahrzehnten von Frauen in Turnvereinen überhaupt keine Rede war.“

Unabhängig vom Geschlecht ist es oft schwer, Menschen für die Vorstandsarbeit zu begeistern. Warum es bei Frauen noch schwerer ist, beantwortet Susanne Hottenroth, Vorsitzende der TSG Bad Sooden-Allendorf, so: „Frauen, vor allem junge, haben mit Beruf, Haushalt und Familie oft eine große Belastung. Da bleibt fürs Ehrenamt einfach keine Zeit mehr.“

Das Grundproblem liege aber noch tiefer. „Eine Frau hat immer noch nicht den gleichen Stellenwert in unserer Gesellschaft, wie ein Mann“, gibt Hottenroth zu Bedenken. „Das ist im Vorstand vieler Vereine nicht anders, als in der heutigen Arbeitswelt, wo Frauen für die gleiche Arbeit immer noch schlechter bezahlt werden, als ihre männlichen Kollegen.“

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