Zuviel Fernsehen und  Computer hemmen Sprachentwicklung

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Werra-Meißner. Erstklässler in Hessen benötigen häufig sprachtherapeutische Behandlung. Nach Zahlen des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen war 2012 knapp jeder vierte Junge und etwa jedes sechste Mädchen vor der Schuleingangsuntersuchung in Therapie.

Im Werra-Meißner-Kreis liegen die Zahlen knapp darüber. Grundschulen in der Region bestätigen diesen Trend. "In etwa den letzten 15 Jahren haben die Probleme mit der Sprachentwicklung bei Kindern stetig zugenommen", sagt Rainer Bittner, Schulleiter der Alexander-von-Humboldt-Schule in Eschwege. Defizite gebe es etwa bei der Lautbildung, dem Wortschatz oder dem Satzbaumuster. Als Ursache sieht Bittner die fehlende Sprachpraxis im Elternhaus: "Zu viel passiver Medienkonsum und zu wenig aktive Kommunikation."

Auch Gabriele Rescher, Lehrerin an der Kesperschule in Witzenhausen, beobachtet diese Entwicklung seit 23 Jahren in ihrem Beruf. "Zu viele Eltern verlassen sich auf Hör- oder Computerspiele", sagt die ausgebildete Förderschullehrerin. "Um Sprache aber zu lernen, müssen die Kinder sie aktiv anwenden." Vorlesen sei da die beste Möglichkeit. "Kinder sind ja nicht still beim Vorlesen." Meist gebe es ein Lieblingsbuch, das sie immer wieder hören wollen und dann auch bald mitsprechen können. So lernten sie die Grammatik, die Satzstruktur und erweiterten ihren Wortschatz. "Zudem können sich Eltern mit ihren Kindern über die Geschichten unterhalten", sagt Rescher.

In Schulen werden Kinder nach Bedarf in ihrer Sprachentwicklung gefördert. "Wir können aber nicht nachholen, was sechs Jahre lang versäumt wurde", sagt Rescher. Ist eine Sprachtherapie nötig, sollte daher möglichst vor dem Grundschulalter angesetzt werden. Gerade bei Problemen mit der Aussprache verweist die Lehrerin auf Logopäden. (vsz)

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