Sprachkurs für Flüchtlinge: Tückisch ist das Eichhörnchen

Besucht zweimal die Woche einen Deutschkurs: Marew Abebe. Er absolviert ein Praktikum bei der Werra-Rundschau, um seine neugewonnenen Sprachkenntnisse anwenden zu können. Foto:  Wüstefeld

Eschwege.   Marew Abebe ist 28 Jahre alt und lebt in einer Asylbewerberunterkunft in Eschwege. In seiner Heimat Äthiopien hat er als Journalist gearbeitet. Um wieder in seinem Beruf zurückkehren zu können, lernt er Deutsch. Seine Erfahrungen mit den Sprachkursen schildert er hier.

Die Sprache des Landes, in dem man lebt, sollte man beherrschen. Ich komme aus Äthiopien, lebe aber nun in Deutschland und versuche deshalb, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Doch oft ist das gar nicht so leicht. In der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen habe ich mir das Alphabet, Ziffern und Redewendungen angeeignet. In Eschwege besuche ich nun zweimal pro Woche Deutsch-Kurse bei der Diakonie und der evangelischen Familienbildungsstätte-Mehrgenerationenhaus. Auch einen Integrationskurs des Bildungszentrums habe ich besucht.

Der Deutsch-Kurs

Der Deutsch-Kurs ist für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, konzipiert. Im Unterricht werden Bilder und Tonspuren eingebunden, die das Lernen leichter machen. Die Seminare machen mir Spaß. Die Lehrer haben viel Verständnis für die Teilnehmer, die aus verschiedenen Ländern kommen und ganz unterschiedliche Bildungsgrade haben.

Das Praktikum

Ganz wichtig ist es für mich, neue Leute kennenzulernen, um die neugewonnenen Sprachkenntnisse auch anzuwenden. Das Praktikum, das ich zurzeit bei der Werra-Rundschau absolviere, ist Bestandteil meiner Sprachklasse und hilft mir sehr. Ich kann jetzt ein Telefongespräch führen, spreche viel fließender - und habe sogar eine SMS verschickt.

Die Herausforderung

Kein Zweifel: Deutsch ist eine Herausforderung für uns Sprachschüler. Die Grammatik ist kompliziert. Und auch die Aussprache ist schwer für diejenigen, die den Sprachklang nicht gewohnt sind. Ich habe meine „Lieblingswörter“, deren Aussprache mir extrem schwerfällt, zusammengestellt: Gasthörerin, Streichholzschächtelchen, Eichhörnchen und Schlittschuhlaufen. Nicht einfach sind auch die Laute „ch“ und „sch“: Sie klingen ganz anders, als sie geschrieben werden. Tückisch wird es vor allem dann, wenn diese Kombinationen mehrfach auftauchen.

Die Tücken

Zusammengesetzte Wörter gibt es in vielen Sprachen, aber wohl in keiner tauchen sie so oft auf wie im Deutschen. Auch nummerische Zahlen gehören dazu. Die Worte werden sehr lang - wie in Rechtsschutzversicherungsgesellschaften, Siebentausendzweihundertvierundfünfzig und Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän. Aber nichts ist unmöglich - ich versuche, diese Worte zu lernen, indem ich sie mir Buchstabe für Buchstabe einpräge.

Die Ziele

In der Zukunft möchte ich die Fernsehnachrichten und das Radioprogramm verfolgen und die Zeitungsartikel vollständig verstehen können. Wenn wir die Sprache des Landes, in dem wir leben, kennen, macht es alles leichter. Ich glaube, sonst wäre alles deprimierend: Ich könnte nicht kommunizieren, nicht lesen und schreiben, und auch das Finden von Freunden wäre unmöglich.

Von Marew Abebe

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