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Spuren des jüdischen Lebens: Arbeitskreis und Aufwind stellen Veranstaltungsreihe im Kreis vor

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Von: Kristin Weber

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Wieder entdeckt: Deckenmalereien in der ehemaligen Synagoge in Abterode, in der heute ein Tegut-Lädchen ist. Archivfoto: Wüstefeld

Eschwege. Im Werra-Meißner-Kreis könne man heute mehr Spuren jüdischen Lebens finden als überall sonst in Nordhessen, glaubt Dekan Dr. Martin Arnold. Und das, obwohl es hier keine jüdischen Mitbürger mehr gibt. Aber ihre Zeugnisse sind da, die Synagogen, die Friedhöfe, die Dokumente.

Gerade in Abterode gab es über Jahrhunderte eine große und gut ausgebildete jüdische Gemeinde. Von deren vergessenen Realien kommen jüngst immer mehr wieder ans Licht. „Die Nationalsozialisten haben versucht, das jüdische Leben bei uns auszulöschen“, sagt Arnold. „Deshalb müssen wir uns dem entgegenstellen und klar sagen: Nein! Es ist ihnen nicht gelungen.“

Der Arbeitskreis „Spuren jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner“ in Kooperation mit „Aufwind-Verein für seelische Gesundheit“ stellt eine fünfteilige Veranstaltungsreihe vor, die bis Februar 2020 laufen soll. In Verbindung mit jüdischer Musik, historischen Informationen und jüdischem Essen sollen die Besucher die Orte des jüdischen Lebens wiederentdecken.

Die Auftaktveranstaltung findet am 26. Januar 2019 in der ehemaligen Synagoge in Eschwege statt, heute eine neuapostolische Kirche. Weiter geht es in Witzenhausen, Harmuthsachsen und Sontra. Höhepunkt der Reihe ist im November 2019 die Eröffnung des Lern- und Gedenkorts für jüdisches Leben in der Region Werra-Meißner in Abterode.

In der ehemaligen Synagoge dort betreibt der Verein Aufwind einen Lebensmittelladen. Im Obergeschoss werden die erhaltenen jüdischen Wandmalereien restauriert und der Gedenkort als Lernort mit modernen Medien eingerichtet. „Unser Verein möchte Motor sein, der Begegnung im Sozialraum ermöglicht“, sagen die Aufwind-Vorstände Matthäus Mihm und Andrea Röth. „Im Nationalsozialismus haben auch Menschen mit Behinderung unter Verfolgung gelitten und wurden getötet, deshalb möchten wir uns engagieren.“

Gerade heute, da auch bei einigen jungen Menschen antisemitisches Gedankengut wieder zunimmt, sieht der Dekan die Notwendigkeit, mit Aufklärung und Erinnerung dagegenzuhalten. Er sieht zudem eine besondere Verantwortung der Kirche. „Das Judentum ist die Wurzel unseres christlichen Glaubens.“

Der Pädagoge Ludger Arnold betont, dass die Veranstaltungsreihe allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger belehren will. „Heutige Schülergenerationen sollen nicht das Gefühl haben, dass sie Schuld erben“, sagt er. Mit allen Sinnen sollen die Besucher das ehemalige jüdische Leben im Werra-Meißner-Kreis entdecken können. Dass sich bereits über 20 Forscher, Initiatoren und namhafte Unterstützer hinter dem Projekt versammelt haben, macht die Beteiligten stolz. Gemeinseim wollen sie der schweigenden Mehrheit eine Stimme geben.

Termine:

Die fünfteilige Veranstaltung umfasst jeweils jüdische Musik mit unterschiedlichen Künstlern, historische Informationen durch Geschichtsforscher aus der Region und einen Imbiss mit jüdischen Speisen. Termine jeweils von 16.30 bis 18.30 Uhr: 26. Januar 2019 in Eschwege, Neuapostolische Kirche; 25. Mai 2019 in Witzenhausen, ehemalige Synagoge; 31. August 2019 in Harmutsachsen, vor der ehemaligen Synagoge; 2. November 2019 in Abterode, ehemalige Synagoge und 1. Februar 2019 in Sontra, Blickpunkt der Bürgerhilfe.

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