Was die Stars auf‘s Brötchen wünschen

Hummus ist ein vegetarischer Brotaufstrich, den es jenseits des Atlantiks in ganz vielen Geschmacksrichtungen zu kaufen gibt, in Deutschland aber nur als neutrale Grundsubstanz. Amerikanische und britische Künstler lieben Hummus.

Natürlich steht Hummus im Backstagebereich auf der Speisekarte. Die Cateringliste ist lang. Die Bestellungen der Bands stellen die Open-Flair-Mitarbeiter mitunter vor echte Herausforderungen. „Es erfordert schon eine gewisse Recherche, bevor wir wissen, wo wir bestimmte Dinge bekommen“, sagt Markus Stolle. Die Beschaffung von Hummus gehört dabei noch zu den leichteren Übungen. Mexikanisches Bier aufzutreiben, so Festivalchef Alexander Feiertag, sei nicht ganz so einfach. Verlangt werde es dennoch. Besondere Wein-, Champagner- und Spirituosen-Wünsche würden mit Hilfe einiger Großhändler erfüllt. „Da ist dann schon mal eine bestimmte Champagnersorte zum Preis von 70 Euro die Flasche dabei“, erzählt Stolle.

Den 1945er Chateau Lafite habe allerdings noch kein Künstler verlangt. Und wenn doch? „Dann fragen wir nach, ob es auch eine preiswertere Variante gibt“, sagt Feiertag, „aber im Zweifelsfall würden wir schlucken und auch diesen Wunsch erfüllen.“ Denn genau darum geht es beim Catering der Stars: um das Erfüllen der besonderen Wünsche. „Wir versuchen alles möglich zu machen, damit sich die Künstler in Eschwege wohl fühlen.“ Die seien mitunter acht Wochen und länger auf Tour. Die besonderen Wünsche seien nicht unverschämt, sondern ein Stück Zuhause, weiß Feiertag.

Zu den besonderen Wünschen gehört das in Südafrika weit verbreitete Trockenfleisch, das als Biltong angeboten wird und ein beliebter Snack für zwischendurch ist. Kokoswasser ist ebenso gefragt wie gesund, schmecke, so Markus Stolle, gut gekühlt auch ganz gut. Ganz spezielle Fruchtsäfte seien mitunter beim besten Willen nicht aufzutreiben. Dann müsse mit dem Tourmanagement über eine Alternative verhandelt werden. Normalerweise funktioniert das auch. Aber nicht immer. Markus Stolle erzählt von einem Musiker, der auf seinen Lieblingswein bestand. „Wir haben ganz schön rotiert, bevor wir ihn schließlich aufgetrieben hatten.“

Und als bei der Bestückung der Kühlschränke die Flaschen vertauscht wurden, freute sich eine Band über das edle Getränk, das für einen anderen Künstler bestimmt war. Der schaute in die Röhre „und wir mussten zur Beichte antreten“, erinnert sich Feiertag. Das seien aber alles Dinge, die zu regeln sind.

Stark zugenommen haben Diätanweisungen. Bestimmte Zutaten dürften dann nicht, andere müssten bevorzugt verwendet werden, um Allergien zu begegnen.

Natürlich gibt es nicht von allen Bands Cateringanweisungen. Feiertag: „Als Faustregel gilt: umso populärer, je detaillierter sind die Anweisungen.“ Neben dem Büfett im Backstagebereich, gibt es die individuelle Bewirtung der Topstars, die im Nightliner vorfahren. Das funktioniert nach kurzfristiger Absprache. Feiertag nennt ein Beispiel: Der Bus kommt um 6 Uhr am Morgen an, wird mit Strom versorgt. Das Frühstück ist für 12 Uhr geordert und wird entsprechend serviert. Anschließend wird die Bühne für die abendliche Show vorbereitet, und nach dem Auftritt gibt es ein Abendessen, bevor der Tross zum nächsten Festival weiterzieht. „Wir hatten es aber auch schon, dass der Künstler pünktlich zur Show vorfuhr, von zwei Bodyguards begleitet die Bühne betrat, nach dem Konzert direkt in die Limousine stieg und davonbrauste“, erzählt Feiertag.

Von Harald Sagawe

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