Stellen bleiben länger unbesetzt

Werra-Meißner-Kreis: Fachkräftemangel wird zur Gefahr für die Baubranche

Bauarbeiter schieben auf einer Baustelle heißen Asphalt.
+
Der Fachkräftemangel macht sich im Werra-Meißner-Kreis in der Baubranche vor allem dadurch bemerkbar, dass Arbeitsplätze länger unbesetzt bleiben.

Der Mangel an Fachkräften könnte für Baufirmen im Kreis in den kommenden Jahren zu einem ernsten Problem werden, warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau).

Sie beruft sich auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Demnach gebe es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal zu finden. Im vergangenen Jahr blieben 14 Stellen in der Baubranche länger als 90 Tage unbesetzt. 2018 waren es bereits elf Stellen, ein Jahr zuvor zehn.

„Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht – viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das sogar in Zeiten von Corona“, sagt Klaus Michalak, Bezirksvorsitzender der IG Bau Nordhessen, und fügt an: „Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen.“

Der Bau müsse attraktiver werden, das fange beim Lohn an und gehe bei besseren Arbeitsbedingungen weiter.

Küllmer-Bau aus dem Wehretaler Ortsteil Reichensachsen ist eines der größten Bauunternehmen im Kreis. Geschäftsführerin Peggy Wiegand bestätigt, dass der Fachkräftemangel die Branche seit Jahren umtreibe. Das liege auch daran, dass das Handwerk längst nicht mehr das Prestige wie früher habe und man seinen Beruf in der Branche aus Überzeugung wähle.

Unternehmen bewirbt sich mittlerweile bei der Arbeitskraft

„Als Familienunternehmen legen wir Wert darauf, jedes Jahr zwei bis drei Personen auszubilden“, sagt sie. Es komme selten vor, dass diese nach ihrer Ausbildung nicht in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen würden. Durch den Fachkräftemangel seien die Arbeitnehmer auch eher bereit, den Arbeitgeber zu wechseln.

„Vor 20 Jahren blieben sie meist von der Ausbildung bis zur Rente in einer Firma“, sagt Wiegand. Heute bewerbe sich das Unternehmen eher beim Arbeiter als andersherum. Das ginge nicht nur über den Lohn. Auch weiche Faktoren wie eine geregelte Freizeit, der Verzicht auf Montage, Betriebsferien, Baustellen nur im Umkreis von 50 Kilometer um den Firmensitz oder Prämien für das Werben von Mitarbeitern gehörten dazu.

„Das Problem des Fachkräftemangels haben viele Branchen im Handwerk“, bestätigt Nadine Degenhardt von Sofero-Bau aus Bad Sooden-Allendorf. Überdacht werden sollte laut ihr auch die Ausbildung. Im Sommer, wenn es auf dem Bau viel zu lernen gebe, seien die Azubis beim Blockunterricht, im Winter, die Zeit, in der weniger anfällt, im Betrieb.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare