Straßenmusikerin Johanna Schwanghart ist in Fußgängerzonen zuhause

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Straßenmusik seit 27 Jahren: Johanna Schwanghart, die ursprünglich aus München stammt, tourt gemeinsam mit ihrem Ehemann durch Deutschland. Jetzt suchen beide nach einem neuen Wohnmobil.

Eschwege. Im Sommer lebt sie mit ihrem Mann in Ungarn, im Winter tingelt sie durch die deutsche Provinz und macht Musik in Fußgängerzonen. Johanna Schwanghart aus Bayern ist Lebenskünstlerin und macht jetzt Station in Eschwege.

Die Straßenmusik haben Johanna Schwanghart und ihr Ehemann damals im Jahr 1989 einfach ausprobiert. Gemeinsam tourten sie durch Umbrien und die Toskana. Jetzt, 27 Jahre später, macht die gebürtige Münchnerin Halt in Eschwege. Sie sagt schmunzelnd: „Etwas besseres als die Straßenmusik ist uns noch immer nicht eingefallen.“

An sieben Tagen in der Woche füllt die gebürtige Münchnerin die Fußgänger-zonen deutscher Kleinstädte mit den Klängen ihrer Musik. Am liebsten spielt Schwanghart in Mosbach, einer Stadt im Odenwald. Italien ist der 52-Jährigen inzwischen „zu schick“ geworden. Welches Genre sie spielt, kann Johanna Schwanghart nicht genau sagen. „Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Folk und Rock.“ Nach maximal zweieinhalb Stunden ist allerdings Schluss, dann würde ihr die Stimme versagen.

Schlechte Erfahrungen hat die Straßenmusikerin in 27 Jahren nur wenige gemacht: „Meistens sind uns die Menschen positiv gesinnt. Einmal aber wurden wir in der Schweiz von einem Ordnungsbeamten aufgegriffen und beinahe verhaftet. Wir mussten Strafe für unseren Auftritt bezahlen.“

Das Geld reicht zum Leben

Eine Goldgrube sei die Straßenmusik nicht, sagt Schwanghart, auch wenn sie davon leben könne. „Ich führe ein einfaches Leben. Mein Mann und ich kochen gut, aber billig. Kino- oder Kneipenbesuche sind jedoch nicht drin.“

Die Höhe der Tageseinnahmen hänge ganz von der Stadt, der Stimmung der Leute und dem Zeitpunkt ab. Während sie manchmal lediglich zehn Euro am Tag erspiele, könnten es in der Vorweihnachtszeit schon 200 Euro sein. Im Durchschnitt lägen die Einnahmen zwischen 25 und 50 Euro pro Tag.

Neues Reisemobil gesucht

Gespielt wird eigentlich nur in den Wintermonaten. Normalerweise verbringt die Musikerin den Sommer in Ungarn an einem festen Stammplatz, baut dort eigenes Gemüse an und tourt erst im folgenden Winter wieder durch Deutschland. Nun ist das mobile Zuhause von Johanna Schwanghart und ihrem Ehemann - ein umgebauter Lastwagen aus dem Jahr 1953 - zu alt und fast nicht mehr verkehrstauglich. Deshalb spielt das Ehepaar weiter. Schon morgen brechen sie wieder von ihrem Rastplatz am Werdchen auf: Als nächstes möchte Johanna Schwanghart mit ihrer Musik die Innenstädte von Bebra und Bad Hersfeld bereichern.

• Johanna Schwanghart und ihr Ehemann sind auf der Suche nach einer neuen mobilen Bleibe. Wer ein stabiles, gut erhaltenes Wohnmobil (ab ca. Baujahr 1965) verkaufen möchte, kann sich unter 0160/3 20 86 70 melden.

Von Pelle Faust

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