Südlink ist Thema in Eschwege und Waldkappel: Eine Resolution und viele Fragen

+
Raumwiderstände: Zwölfmal muss die Werra (hier bei Albungen) unterquert werden, wenn die Vorzugstrasse umgesetzt wird. 

Eschwege/Waldkappel. Der Südlink-Trassenplan war am Donnerstagabend Thema in Eschwege und in Waldkappel. Eschwege will eine Resolution verabschieden.

Der Hauptausschuss der Eschweger Stadtverordnetenversammlung legte am Donnerstagabend die Eckpunkte einer Resolution gegen die Trassenführung durch den Werra-Meißner-Kreis fest. Darin wird die Nord-Süd-Verbindung grundsätzliche infrage gestellt, insbesondere aber die Linienführung über das Gebiet der Kreisstadt abgelehnt. 

Während einer Bürgerversammlung, die der Werra-Meißner-Kreis in Waldkappel veranstaltete, stellte der Netzbetreiber Tennet die Vorzugstrasse für die Nord-Süd-Stromleitung vor. Das Gebiet der Stadt Waldkappel und ihrer Stadtteile wird von der Linienführung allerdings nicht berührt. Weitere Informationsveranstaltungen gab es bereits in Germerode, Bad Sooden-Allendorf und Sontra.

Die Eckpunkte für eine Resolution stehen

Die Eckpunkte der Resolution stehen, jetzt verständigen sich die Fraktionen über die Formulierung der Argumente und die Begründung. Die Eschweger Stadtverordnetenversammlung will während ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag eine Resolution gegen die Südlink-Trasse durch den Werra-Meißner-Kreis verabschieden. Adressaten: Bundesregierung, Landesregierung, heimische Abgeordnete, der Landrat.

Am Donnerstagabend machten Sprecher aller Fraktionen während einer Sitzung des Haupt- und Kulturausschusses deutlich, dass die Stromtrasse grundsätzlich für überflüssig gehalten und eine Linienführung über Eschweger Gebiet nicht akzeptiert wird.

Die Gründe für die Resolution:

  • Veränderte Grundlage: Nach Ansicht der Ausschussmitglieder haben sich die Voraussetzungen für Südlink geändert. Die Sinnhaftigkeit des Transportes der offshore erzeugten Energie nach Süddeutschland fehle. Andreas Hölzel (FWG) sagt, dass die Energie spätestens in Südniedersachsen aufgebraucht sei, wenn die nördlichen Regionen damit versorgt würden. Alexander Feiertag (SPD) sieht mit dem beschlossenen Braunkohleausstieg grundsätzlich veränderte Vorzeichen. Nach dem Abschalten der Braunkohlekraftwerke fehle Energie in Nordrhein-Westfalen.
  • Raumwiderstände: Die Linienführung durch den Werra-Meißner-Kreis sei angesichts der schwierigen topografischen Voraussetzungen falsch gewählt. 262 Raumwiderstände seien festgestellt worden. Allein zwölfmal müsse die Werra unterführt werden. Die Trassen durch Thüringen würden nur 198 beziehungsweise 222 solche Punkte aufweisen.
  • Opferrolle: Die ländliche Region werde missbräuchlich benutzt, um Bedürfnisse in den Ballungsräumen zu befriedigen, ohne selbst etwas davon zu haben.

Lesen Sie auch: Energiewende braucht Innovation: Alternativen zur Südlink-Stromtrasse

Südlink-Trasse kann auch Waldkappel noch betreffen

Die Südlink-Vorzugsvariante der Firmen Tennet und Transnet sieht eine Trassenführung vor, die Waldkappel nicht tangiert, aber trotzdem hatten die Bürger der Stadt bei der Informationsveranstaltung des Kreises am Mittwochabend im Bürgerhaus viele Fragen: 

Steht denn schon fest, dass die unterirdische Stromtrasse nicht an Waldkappel vorbeiführt? 

Theoretischer Trassenverlauf in Waldkappel.

Nein. Die Firmen haben erst mal nur einen Vorschlag unterbreitet, den die Bundesnetzagentur entweder beschließt oder ablehnt. Eine Entscheidung wird Ende 2019 erwartet, wie Mitarbeiter des Netzbetreibers Tennet bekanntgaben. Es ist also möglich, dass doch die Variante gewählt wird, die nahe den Stadtteilen Rodebach, Harmuthsachsen, Waldkappel, Mäckelsdorf, Friemen und Burghofen verläuft. 

Wer sind eigentlich Anteilseigner von Tennet? 

Die Tennet GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Tennet Holding, die wiederum gehört vollständig dem niederländischen Finanzministerium. 

Ist die Südlink-Trasse überhaupt abzuwenden? 

Das ist eher schwierig, da Bundestag und Bundesrat die Stromtrasse beschlossen haben, um überschüssigen Strom der vielen Windräder im Norden nach Bayern und Baden-Württemberg zu liefern, wo dieser fehlen soll. Das Land Thüringen hatte Klage gegen eine Trasse in seinem Gebiet eingereicht. Das käme auch für Hessen in Frage, wie CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt am Mittwochabend dem Publikum berichtete. 

Wurden denn Mensch und Natur in der Planung berücksichtigt?

„Ja“, sagen die Vertreter von Tennet und Transnet. Naturschutzgebiete, Flüsse, gefährdete Tierarten wie der Luchs, Pflanzen und viele andere Faktoren seien berücksichtigt worden. Auch für den Mensch bestehe keine Gefahr durch Strahlung. Das zeige ein in Betrieb genommener Testabschnitt. Die Bebauungspläne seien maßgeblich für die Abstände zu Häusern, zudem würden Landwirte für abgehende Flächen oder etwaige spätere Ernteausfälle finanziell entschädigt.

Lesen Sie auch: Südlink-Trasse durch Werra-Meißner-Kreis: Hinweise gegen Vorzugsvariante müssen erneut gemeldet werden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare