Schauen, anfassen, staunen

Tag der Töpferei: Zu Besuch in der Albunger Werkstatt von Caroline Bohlmann

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Fachgespräche: Caroline Bohlman (links) erklärt Annerose Charrois die Details ihrer Töpferarbeiten.

Albungen – Caroline Bohlmann hat in ihrem Haus in Albungen eine eigene Töpferwerkstatt. 

Betritt man das kleine Einfamilienhäuschen von Caroline Bohlmann im Fasanenweg in Albungen, befindet man sich sofort in der Töpferwerkstatt, wo vor dem Fenster die Töpferscheibe und Regale mit fertigen und zu trocknenden irdenen Waren stehen. Hier führt Caroline Bohlmann den interessierten Besuchern vor, wie sie aus einem Klumpen Ton, den sie allerdings vorher gut durchgeknetet hatte, eine Schale dreht.

Entstehung

Es sieht so leicht aus: Zunächst zentriert sie die Tonmasse auf der sich drehenden Scheibe, befeuchtet den Ton immer wieder mit Wasser, dann öffnet sie den Tonklumpen in der Mitte, vergrößert sehr langsam den Innenraum und zieht die Außenwände hoch. Dabei entstehen die typischen feinen Rillen, die bei Tonprodukten anzeigen, dass sie von Hand gefertigt wurden. Nun greift die Keramikerin zu einer Art Holzspatel, hält ihn außen an die sich drehende Schale und zieht ihn hoch, sodass sich eine große Spiralprägung von unten nach oben zieht.

Ist die gewünschte Form erreicht, greift sie zu einem Draht, dem Tonschneider, und trennt das neu entstandene Gefäß von der Metallscheibe. Nun kommt es aufs Regal zum Trocknen. Nach frühestens drei Tagen kann ein Schrühbrand vorgenommen werden. Die Schale erhält durch Engobe, mit Farbpigmenten versetzter Schlicker, die für Bohlmann-Keramik typische himmelblaue oder türkisblaue Farbe und wird wieder gebrannt. Möglicherweise kommt sie noch zum dritten Mal in den Ofen und erhält so den perfekten Glanz durch eine transparente Glasur oder feinste Sprenkel in Gold.

Ausstellung

Der helle, licht durchflutete Raum hinter der Werkstatt besticht durch seine Schlichtheit, sodass die klassisch geformten Tongefäße in himmelblau besonders gut zur Geltung kommen. Mit Tulpen, Ranunkeln und Narzissen in geschwungenen Vasen, die durch ihre Schlichtheit in der Form brillieren, wird der Verkaufsraum zu einem kunstvollen Ausstellungsraum. Besucherin Annerose Charrois ist begeistert von Bohlmanns Keramik, immer wieder nimmt sie die eine oder andere Tasse in die Hand. „So fein, so dünn und diese durchgestalteten Linien.“

Kreativität

Die Besucher waren am Tag der Töpferei eingeladen zu Kaffee und Kuchen und auch zum Selbstversuch im Töpfern. Die fünf Jahre alte Lina Hoberock nahm das Angebot mit ihrer zwölfjährigen Schwester Hannah gerne an.

Zunächst formte Lina mit ihren Händen eine Kugel und durch Eindrücken in deren Mitte ein kleines Schälchen. Hannah unterstützte sie dabei, sodass das Schälchen glatt und formschön wurde und noch ein Deckelchen erhielt. Am Töpfern und am guten Zusammenspiel hatten beide deutlich sichtbar Freude.

Keramik oder Porzellan?

Häufig wird Caroline Bohlmann gefragt, ob ihre weißen Becher, Tassen, Teller, Tortenplatten, Fliesen und Vasen aus Porzellan seien, weil sie schneeweiß und so fein sind, das wäre doch keine Keramik. Tatsächlich ist es so, dass „Keramik“ der Oberbegriff für Tonwaren ist. Porzellan, Steingut, Steinzeig und Irdenware sind verschiedene keramische Massen, die unterschiedliche Eigenschaften haben. „Das Wort Keramik stammt aus dem Altgriechischen und war die Bezeichnung für Tonminerale und die aus ihm durch Brennen hergestellten formbeständigen Erzeugnisse“, erklärt Bohlmann.

Leitsatz

Den Designleitsatz „Form follows function“ kann man auf Bohlmanns Schaffen anwenden. „Meine Produkte soll man gerne anfassen. Optisch sollen sie nicht aufdringlich sein“, sagt Bohlmann. Sie hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, mit einem Produktdesignstudium erweitert und entwickelt sich nun weiter. Wichtig ist für sie auch, mit ihrer Arbeit keinen Müll zu produzieren. Misslungene Produkte können einfach wieder eingestampft und wieder verwendet werden.

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