Der Winter ist im Anmarsch

Tausende Kraniche fliegen über Hessen und den Werra-Meißner-Kreis

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Ab in den Süden: Erste Kranichzüge wurden diesen Herbst bereits über Eschwege gesichtet. Auf der Flucht des regnerischen und kalten Wetters in Deutschland können sie eine Durchschnittsgeschwindigkeit bis zu 65 Stundenkilometer erreichen.

Jedes Jahr im Herbst und Frühling ist das großartige Naturschauspiel der Zugvögel am Himmel über ganz Hessen zu bestaunen.

Bei schlechtem Wetter, Regen oder ungünstigen Windverhältnissen machen die Vögel Rast im heimischen Werraland. Besonders gern ruhen sich die Vögel in der Nähe des Werratalsees und im Ringau aus, um sich auf abgeernteten Feldern für den Weiterflug zu stärken.

„In Grebendorf verweilten die Kraniche einmal drei Wochen. Die Großraumlandwirtschaft sorgt für ein großes Nahrungsangebot“, erzählt Ornithologe Wolfram Brauneis. Die Großraumlandwirtschaft, welche den kleinen Vögeln schadet, hat den Kranichen vor 40 Jahren das Leben gerettet. „Ich bin erstaunt, dass sich die Kranichpopulation so gut erholt hat. Dank Schutzorganisationen, Aufklärungsarbeit und der großflächigen Bepflanzung der Landwirte, konnte sich der Bestand in Europa erholen“, berichtet der Vogelexperte Brauneis.

Nachmittags, bei sonnigem und klarem Wetter fliegen die Kraniche präferiert durch die Lüfte, um kalten Temperaturen zu entfliehen. Dazu nutzen sie Rückenwind aus Nordosten und lassen sich vom Wind treiben. Dadurch, dass der Wind aus Nordosten oftmals kalte Temperaturen und Schnee mitbringt, verbinden die Menschen den Kranichzug mit kaltem Wetter. Ob der Winter im Anmarsch ist, kann somit kein Kranichzug feststellen, nur einen Hinweis auf die kommenden Temperaturen geben. Zwischen 10 000 und 20 000 Kraniche fliegen an einem Tag, in der Hauptflugzeit Mitte Oktober bis Ende November über Hessen. Keilförmig fliegen sie im Windschatten der vorderen Vögel mit Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu 65 Stundenkilometer.

Auf dem Festland hört man die Zugvögel aufgrund ihrer trompetenartigen Rufe oft eher, als sie gesehen werden können. „Man kann sagen, dass sich die Vögel unterhalten. Die Rufe dienen der Kommunikation und zum Gefahrenaustausch“, erklärt Brauneis.

Die Zugrouten sind jedes Jahr gleich, sie ändern sich nur geringfügig. Hessen liegt genau über diesen Routen und dem damit verbundenen Naturschauspiel. Anschließend geht die Reise der Zugvögel weiter in den Süden bis nach Frankreich und Spanien. Dort überwintern die Kraniche und kehren im Frühling mit warmen Temperaturen in die schöne hessische Landschaft zurück.

Von Carolin Eberth

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