Rund 13.000 Anrufe jährlich

Telefonseelsorge Nordhessen sucht dringend Verstärkung

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Symbolbild

Werra-Meißner. Für Menschen in Krisensituationen bieten die Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge Hilfe an - jetzt sucht das Team Nordhessen dringend neue Mitarbeiter. 

Wie lebensverändernd die Arbeit bei der Telefonseelsorge sein kann, schildert die 60-jährige Susanne: Plötzlich war er nicht mehr da. Von einem auf den anderen Tag war ein Loch in ihrem Leben, das Susanne niemals mehr zu füllen vermochte. Denn mit nur 19 Jahren hatte sich ihr Sohn das Leben genommen; der dadurch ausgelöste Schmerz bei seiner Mutter war ein Schicksalsschlag, den sie nie glaubte verkraften zu können. 

Doch auch, wenn das Loch nach wie vor noch da ist und wohl auch nie verschwinden wird: Nicht mehr ganz so tief wie damals erscheint es mittlerweile, an den meisten Tagen auch nicht mehr ganz so dunkel. Zu verdanken hat Susanne das auch den Menschen, die sich bei der Telefon-Seelsorge Nordhessen engagieren; dort fand die Frau Halt nach der Entscheidung ihres Sohnes, aus dem Leben zu scheiden und die anderen mit seiner Entscheidung leben zu lassen. „Das hat in mir den Wunsch erweckt, auch anderen Menschen, denen es nicht gut geht, etwas von der damals mir gegebenen Hilfe zurückzugeben“, sagt die 60-Jährige – weshalb sie sich entschieden hat, ebenfalls für diesen Verein tätig zu werden. 

Seit zehn Jahren macht sie das nun, ist seitdem nach wie vor der Überzeugung, dass der Mensch immer zuerst den Kontakt zu anderen Menschen benötigt, gerade in schwierigen Situationen. „Dieses Wissen und der Umgang mit Menschen allgemein prägen meine Motivation für mein Engagement.“ Erfahrungen aus Gesprächen, Einblicke in ganz unterschiedliche Lebenssituationen und vor allem die Selbsterfahrung empfinde sie als große Bereicherung für ihr Leben. Auch der Dank der Anrufenden trage seinen Teil dazu bei. Auf die Frage, für wen sich das Engagement bei der Telefonseelsorge eigne, antwortet Susanne wohlüberlegt: „Menschen, die ein hohes Maß an Interesse für ihre Mitmenschen aufbringen, Zeit verschenken können und die Verbindlichkeit der Tätigkeit mit ihrem beruflichen sowie ihrem privaten Umfeld in Einklang bringen können.“

70-köpfiges Team in Nordhessen

Die Telefonseelsorge versteht sich als Ansprechpartner für Menschen in Krisen, wenn Freunde und Familie nicht verfügbar sind oder nicht infrage kommen. Das 70-köpfige Team aus Nordhessen, das jährlich rund 13 000 Anrufe erreichen und auch einen Mail- und Chatservice anbietet, ist derzeit auf der Suche nach Menschen, die sich in ihrem Verein ehrenamtlich engagieren möchten. Die Voraussetzungen haben es in sich: Aktiv zuhören können muss man ebenso wie einfühlsam, geduldig und belastbar sein.

Denn die Liste, warum Menschen bei der Telefonseelsorge anrufen, ist lang: Trauer, Einsamkeit, Beziehungsprobleme, schwere Krankheiten, psychische Probleme und Depressionen sind nur einige der Gründe.

Die Tätigkeit für die Telefonseelsorge ist deshalb anspruchsvoll und erfordert eine gute Vorbereitung der freiwillig Engagierten. Ihre Aufgabe sieht die Geschäftsführerin Salome Möhrer-Nolte deshalb darin, die Ehrenamtlichen wo immer nötig zu unterstützen, damit diese ihre Aufgaben gut erledigen können.

Mitarbeiter werden geschult und begleitet

An einer Mitarbeit Interessierte nehmen zunächst an einem einjährigen Ausbildungskurs teil, welcher gut 120 Stunden umfasst. Vermittelt werden Fertigkeiten und Kenntnisse, die in die Lage versetzen, am Telefon hilfreiche Gespräche führen zu können. Dazu zählen unter anderem die Theorie und Praxis der Kommunikationspsychologie und Gesprächsführungstechniken sowie die Aneignung von Grundwissen im Umgang mit psychischen Krankheiten, Suizid, Einsamkeit und Trauer.

Um das Gehörte verarbeiten zu können, werden die Freiwilligen von Supervisoren begleitet: Dort können sich die Ehrenamtlichen austauschen. Zudem werden von der Geschäftsstelle immer wieder Aus-, Fort- und Weiterbildungen angeboten, die helfen sollen, den Umgang mit den oftmals herausfordernden Gesprächssituationen zu meistern. 

Infoabend im Mai

Einen Info-Abend gibt es am Mittwoch, 16. Mai, ab 18.30 Uhr in der evangelischen Familienbildungsstätte in Kassel, Hupfeldstr. 21. Um eine Anmeldung unter Telefon 0561/28 23 99 oder per Mail an telefonseelsorge.nordhessen@ekkw.de wird gebeten.

www.Telefonseelsorge-Nordhessen.de

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