Therapie für die Lachmuskeln 

Das Theater im Schäferhof präsentiert „Die Wunderübung“

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Er möchte Ruhe, sie Frieden: Wie weit diese Ziele auseinanderliegen können, zeigt das Dachbodentheater im Schäferhof in dem Stück „Die Wunderübung“. Im Bild Susann Schäfer, Matthias Schäfer (rechts) und Casper Lange.

Es ist eine Therapie für die Lachmuskeln: Das Theater im Schäferhof präsentiert das neue Stück „Die Wunderübung“. Das Publikum zeigte sich begeistert. 

Es wird gestritten, diskutiert und gestikuliert: Er möchte Ruhe, sie möchte Frieden. Wie weit diese Ziele auseinanderliegen können, wird amüsant und zugleich bewegend bei der Ehe-Therapie von Joana und Valentin Dorek deutlich – anhand einer fein austarierten Balance aus unterhaltsamem Sarkasmus und erschreckend realistischer Polemik. Das Theater im Schäferhof präsentierte die postmoderne Komödie Donnerstagabend erstmals im gewohnt ausverkauften Dachbodentheater.

„Valentin hört lieber aus sich heraus als in sich hinein! Und zwar sehr laut“, schildert Joana, innig gespielt von Susann Schäfer, ein Hauptproblem in ihrer Ehe. „Joana kann nicht in sich hineinhören, sonst würde sie einen Hörsturz bekommen“, kontert Valentin, dessen Rolle Matthias Schäfer mit kräftiger Stimme in das mitfühlende Publikum trägt. Auch wenn beide unterschiedliche Worte finden, verbirgt sich zwischen den Zeilen ein und dieselbe Botschaft: Kommunikation ist das A und O.

Lehrreiche Botschaft 

Daniel Glattauer veröffentlichte das Drehbuch der Komödie erstmals 2014 und meistert inhaltlich den Spagat, gleichzeitig Ehekonflikte wie auch deren Therapie durch einen Psychologen auf den Arm zu nehmen – ohne auf einen wahren Kern und lehrreiche Botschaften zu verzichten. 2015 uraufgeführt erschien bereits Anfang 2018 der gleichnamige Kinofilm von Michael Kreihsl; zu Recht leitet Sven Lange als exzentrischer Psychotherapeut die Komödie daher als „Erfolgsstück im deutschsprachigen Raum“ ein.

Das Chaos beginnt direkt bei der Anreise mit einer von weiblichen Vorurteilen behafteten Parkplatzsuche und dem männlichen Gemüt, das mehr auf die aktuellen Fußballergebnisse als auf die Therapie fokussiert ist. „Aber die Tatsache, dass sie gemeinsam zu mir kommen, zeigt einen Willen und eine Verbundenheit“, liefert der Therapeut die erste wahre Botschaft – einem Stilmittel gleichend werden diese sich mit allerlei Hyperbeln im weiteren Verlauf abwechseln.

"Die Wunderübung" im Theater im Schäferhof 

Doch eben diese Übertreibungen stellen schauspielerisch die größte Herausforderung dar: Einerseits erzeugen sie jede Menge Gelächter, an anderen Stelle lassen sie ein tieferes Rollenbild – eventuell sogar eine Selbstidentifizierung durch das Publikum – im Gewirr aus Geschrei, ausartenden Gesten, gespieltem Grinsen und unseriöser Exzentrik untergehen. Besonders dieliebevollen Gefühle am Ende des Stücks wirken daher befremdlich.

Dennoch hatte das Publikum alle Gründe zum Lachen bei der Selbstreflexion alltäglicher Situationen. Die größte Herausforderung für den Therapeuten ist das Talent der Ehepartner, einfach Fragen mit ausschweifenden Antworten, die niemals eine sarkastische „Spitze“ missen, zu entgegnen. Besonders positiv fällt die Proxemik der Darsteller trotz des anspruchsvollen Bühnenlayouts mit fehlender Tiefe und unterschiedlichen Höhen in der Breite auf: Beziehungen und situative Emotionen werden gekonnt durch die Raumnutzung präsentiert, wobei gerade die ambivalente Nähe sowohl Einfühlsamkeit als auch Zorn bedeuten kann.

Wie es dem Therapeuten scheinbar gelingt, die Ehe zu retten, erfahren Sie bei der letzten Aufführung mit noch freien Plätzen am kommenden Samstag, 26. Oktober, um 16 Uhr.

Von Lorenz Schöggl 

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