Für den Stromtransport wird erneut ein 120-Kilometer-Korridor im Kreis untersucht

Trasse birgt neue Gefahr

Eschwege. Auf den Werra-Meißner-Kreis kommt erneut eine Bedrohung durch eine weitere Höchstspannungsleitung zu. Laut Netzentwicklungsplan könnten zwei Stromtrassen mitten durch den Kreis führen. Der Deutsche Bundestag wird einen Bedarfsplan der Bundesnetzagentur Anfang des nächsten Jahres verabschieden.

Vier Großkorridore mit einer Breite von etwa 120 Kilometern sollen den Strom vom Norden in die Ballungsgebiete im Süden bringen. Sie sorgen dafür, dass Windstrom von der Küste (Onshore) und der auf hoher See (Offshore) gen Süden transportiert werden. Eine Trasse, die den Raum Gießen und Frankfurt (Korridor B) betreffen würde, wurde vorläufig nicht genehmigt.

In diesem nordhessischen Korridor (C) sind zwei HGÜ-Trassen für die Übertragung von Hochspannungsgleichstrom vorgesehen. Eine der Stromautobahnen führt von der Nordsee (Brunsbüttel in Schleswig Holstein) bis in den Großraum Stuttgart (Großgartach in Baden-Württemberg). Die andere verläuft von Wilster in Schleswig Holstein bis nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. „Bei uns wird ein Gebiet 30 Kilometer westlich und 90 Kilometer östlich von Kassel auf seine planerische Realisierbarkeit untersucht“, sagt Klaus Rohmund, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) „Keine-380-kV-Freileitung im Werra-Meißner-Kreis“. Betroffen sind die Landkreise Kassel, Werra-Meißner, Schwalm- Eder und Hersfeld-Rotenburg. Bis zu 800 Kilovolt Strom können die Leitungen transportieren. „In der Endphase im Jahr 2032 sollen in diesem Korridor fünf Trassen verlaufen“, sagt Rohmund. Außerdem ist eine Netzverstärkung zwischen Eisenach und Mecklar (P37) vorgesehen. Hier wäre das Gebiet um Herleshausen betroffen.

Als Vorsitzender der BI hatte Rohmund bereits die 380-kV-Leitung zwischen Wahle und Mecklar erfolgreich verhindert. Nachdem im November 2011 klar war, dass der Werra-Meißner-Kreis von der Starkstromleitung verschont bleibt, löste sich die BI vorsichtshalber nicht auf, sondern blieb am Ball. Jetzt wird sie wieder gefragt sein. Ganz ohne neue Trassen sei die Energiewende nicht zu schaffen. Rohmund bezweifelt aber, ob es so viele sein müssen.

Von Tobias Stück

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