21-Jähriger arbeitet jetzt bei Werrraland Werkstätten

Flüchtling Fazel Said  macht eine Ausbildung zum Koch

Kam vor zwei Jahren nach Deutschland: Fazel Said. Der Flüchtling aus Afghanistan begann im Juli eine Ausbildung zum Koch bei den Werraland Werkstätten. Foto:  privat

Eschwege. Vor zwei Jahren ist Fazel Said aus seiner Heimat Afghanistan geflohen. Seitdem lebt er in Deutschland, wollte sich hier vom ersten Tag an engagieren. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Koch bei den Werraland Werkstätten.

Eschwege. Was er mit seinen gerade einmal 21 Jahren bereits hinter sich und erlebt hat, reicht eigentlich schon für ein ganzes Leben. Fazel Said ist Afghane – und er ist ein Flüchtling. Einer von vielen, die ihre Heimat verlassen mussten. Vater, Mutter und Geschwister sind in Afghanistan, sie leben in der Stadt Kunar – weit weg von Fazel, der seit 2013 in Eschwege lebt und seit dem 1. Juli eine Ausbildung zum Koch bei den Werraland Werkstätten macht.

Die Flucht 

Drei Monate war Fazel auf der Flucht. Auf die Frage nach dem Warum werden seine Augen glasig, er starrt ins Leere. „Taliban“, sagt er knapp. Mehr möchte er nicht erzählen, nur, dass sein Leben in Gefahr gewesen sei. Iran, Türkei, Griechenland, Frankreich und Italien waren seine Stationen, bevor er nach Deutschland kam. Wie viel er für seine Flucht an die Schlepperbanden zahlen musste, möchte er nicht sagen. „Ohne Schlepper keine Flucht“, sagt er.

Zu essen gab es selten etwas, Wasser war meist die einzige Nahrung, erzählt der 21-Jährige. Geschlafen habe er unter Brücken und in Parks. „In Frankfurt bin ich zur Polizei gegangen: Ich bin Asylbewerber und brauche Hilfe.“

Die ersten Kontakte 

Von dort ging es für ihn über die zentrale Auffangstation in Gießen in den Werra-Meißner-Kreis. Weißenborn war für fünf Monate seine erste Station, danach kam er nach Eschwege. Ein Jahr hätte er warten müssen, um ein Anrecht auf einem Sprachkurs zu erlangen, für Fazel zu lang. „Ich bin deshalb zu der Ausländerbehörde und habe gefragt, ob ich irgendwo ehrenamtlich arbeiten darf, damit ich hier Menschen und die Sprache kennenlerne“, so Fazel. Er durfte. Der Kontakt zum Sozialen Stadtteilladen auf dem Heuberg wurde hergestellt, dort war er am 18. November 2013 das erste Mal. „Diesen Tag werde ich nicht vergessen, er war ein wichtiger Schritt in meine Zukunft in Deutschland“, sagt Fazel.

Die Ausbildung 

Über einen Freund, den er in Eschwege kennengelernt hat, wurde der Kontakt zu Werraland-Chef Gerd Hoßbach und WeBeG-Verwaltungsleiter Markus Hahn hergestellt. „Fazel hat uns von Anfang an imponiert. Er spricht nicht nur sehr gut Deutsch, sondern hat auch klare Vorstellungen für seine Zukunft“, so Werraland-Vorstandsvorsitzender Gerd Hoßbach.

Das Problem: Ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeitserlaubnis. „Wir haben uns starkgemacht für ihn bei den Ämtern, wollten ihm unbedingt einen Ausbildungsplatz anbieten“, sagt Hahn. Am 1. Juli begann Fazel seine Ausbildung zum Koch in der Küche der WeBeG, dem Bistro Amélie, am Hessenring. „Der Anfang war schwer, aber es macht mir sehr viel Spaß“, sagt der 21-Jährige freudestrahlend.

Die Zukunft 

Seine Zukunft sieht er hier in Deutschland. „In Frieden zu leben, keine Angst haben zu müssen – das ist einer meiner vielen Träume“, so Fazel. Auch wenn er sich hier ein neues Leben aufbaut – die Angst um seine Eltern und seine Geschwister verlässt ihn auch in Eschwege nicht. Und schon kehrt der leere und traurige Blick zurück: „Ein Leben in Frieden ist ein hohes Gut. Ein Leben ohne die Menschen, die man liebt, aber auch ein sehr hoher Preis.“ (red)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare