Eschweger Griechen befürworten Sparpaket, bemängeln aber die Umsetzung

Eschweger Griechen befürworten Sparpaket

Lange Schlangen vor den Geldautomaten: Wie hier in Athen sieht es in vielen griechischen Städten aus. Die Banken selbst haben geschlossen, am Automat bekommt man nur 60 Euro am Tag. Foto: dpa

Eschwege. Ob er sein Geld jemals wiedersehe, wisse er nicht, sagt Fotis Lois. Der 43-jährige Restaurantbesitzer aus Eschwege besitzt die griechische Staatsbürgerschaft – und hat in dem krisengeplagten Land ein Konto. Bis heute hat er keine Nachricht darüber erhalten, ob er sein Erspartes irgendwann in der kompletten Summe abheben dürfte oder ob ein Teil davon einbehalten wird.

Dass das Land selbstverständlich Geld braucht, ist Lois klar. Nur würde er nicht in Ordnung finden, wenn sich das die Regierung bei ihm und den anderen griechischen Kontobesitzern holen würde – „wir können nichts für die Krise“. Und dennoch glaubt er, dass das kürzlich verabschiedete Sparprogramm vor allem die kleinen Leute treffen wird: „Für die ist das eine Katastrophe.“

„Das System war nicht in Ordnung.“

Grundsätzlich haben weder er noch sein ebenfalls in Deutschland lebender Bruder Evangelos Lois etwas gegen ein Sparprogramm. „Anders wäre es nicht gegangen“, denn die griechische Regierung müsse endlich lernen, mit Geld umzugehen. „Jahrzehntelang waren die es gewohnt, dass sie Geld bekommen haben, ohne dass es Europa gejuckt hat, was damit passiert“, erklärt Lois, dessen Frau, Kinder und Eltern in Griechenland leben und er deshalb mindestens einmal im Monat in den Staat am Mittelmeer reist. So sei Rente an Menschen ausgezahlt worden, die längst verstorben gewesen seien, zudem sei es „in den vielen verkehrten Organisationen dort“ versickert. „Das System war nicht in Ordnung.“

Dass sich das verbessert, liege natürlich vor allem an Griechenland selbst. So müsse fortan kontrolliert werden, wohin das Geld fließe, zudem müssten nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen zur Kasse gebeten werden. „Doch die haben ihr Geld im Ausland liegen oder haben es, so wie viele Politiker das gemacht haben, noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht“, schimpft Lois. Er richtet aber auch einen Appell an Europa: „Dort muss man jetzt aufpassen, was mit dem Geld passiert, und muss dann einen Teil der Schulden erlassen.“ ARTIKEL UNTEN/

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