Getreide und Obst stark betroffen – Milchbauern fehlt Futter

Trockenheit wird zu Ernteeinbußen führen

Werra-Meißner. Die Landwirte im Kreis rechnen mit erheblichen Ernteeinbußen wegen der lang anhaltenden Trockenheit im Frühjahr. „Der fehlende Niederschlag in April und Mai ist für die Feldfrüchte nicht mehr aufzuholen“, sagt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner.

Betroffen sind nicht nur Ackerbauer, sondern auch Milchviehhalter, die keine neue Grassilage einlagern können.

Deutlich zu wenig Niederschlag 

Im April, Mai und Juni ist nach Angaben des Eschweger Wetterexpertes Torsten Rost deutlich zu wenig Niederschlag gefallen. Aus den Mittelwerten der vergangenen 30 Jahre ergibt sich, dass zwischen April und dem 10. Juni etwa 145 Millimeter Regen hätten fallen sollen. 2015 waren es seit dem Osterfest am ersten Aprilwochenende nur knapp 80 Millimeter. Verschärfend komme hinzu, dass die Verdunstung von Pflanzen- und Bodenfeuchtigkeit in diesen Monaten größer sei, als die Niederschlagsmenge, sagt Rost. Ab Donnerstag werden Temperaturen über 25 Grad und bis zu achteinhalb Sonnenstunden pro Tag erwartet. Lediglich am Samstagnachmittag könnte es regnen. (ts)

„Die Landwirte wissen derzeit nicht, ob sie genügend Futter für den Winter ernten können“ sagt Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbands. Das Gras seinach dem ersten Mähen kaum wieder gewachsen. Zurzeit füttern die Milchbauern Grassilage aus dem vergangenen Jahr. Wenn nichts nachproduziert wird, fehlt das Futter für die Kühe im kommenden Jahr. Jetzt zuzukaufen bringe nichts, sagt Roth. Er setzt sich dafür ein, in Notsituationen die sogenannten Greening-Flächen auch beernten zu dürfen.

Dramatischer sehen die Prognosen für die Getreideernte aus. „Ich befürchte höhere Ernteeinbußen als nach der letzten schweren Trockenheit 2003“, sagt Roth. Die Gerste färbe sich bereits gelb und tendiere zur Notreife. Die blaugraue Farbe des Weizens deute ebenfalls auf starken Wassermangel hin. Mais und Zuckerrüben stehen zurzeit im Wachstum still. Der Schaden hätte minimiert werden können, wenn es am vergangenen Wochenende geregnet hätte. Durch die erwartete Hitze der kommenden Tage schwinde die Hoffnung.

Probleme haben auch Obst- und Gemüsebauern. Peter Feußner vom Beerenhof in Wanfried befürchtet eine schlechte weitere Ernte. Regen und Bewässerung kämen mittlerweile zu spät. Die gute frühe Pflückung könne weitere Verluste nicht ausgleichen. Der Hessische Bauernpräsident empfiehlt Verbrauchern, zur Unterstützung gerade jetzt auf regionale Produkte zu setzen.

Von Tobias Stück

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