Studie belegt steigende Nachfrage

Trotz guter Noten: Immer mehr Schüler in der Nachhilfe

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Wird immer gefragter: Laut einer aktuellen Studie nimmt bereits jeder siebte Schüler im Alter zwischen sechs und 16 Jahren außerschulische Förderstunden in Anspruch.

Eschwege. Nicht nur versetzungsgefährdete Schüler gehen zur Nachhilfe. Eine aktuelle Studie zeigt: Auch Einserkandidaten nutzen Förderstunden nach Schulschluss.

Längst nicht mehr alle Nachhilfeschüler sind lernbenachteiligte Fünfer-Kandidaten. Mehr als jeder siebte Schüler im Alter zwischen sechs und 16 Jahren erhält mittlerweile außerschulische Förderung – meist in Mathe, gefolgt von Fremdsprachen und Deutsch. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor.

Leistungsdruck steigt 

„Viele Familien denken, dass ihre Kinder keine Chance im Berufsleben haben, wenn sie nur die Haupt- oder Realschule abgeschlossen haben. Der Leistungsdruck hat durch den Drang nach immer höheren Bildungsabschlüssen zugenommen“, sagt die Leiterin des Abacus Nachhilfeinstituts in Eschwege, Ute Janich. Bundesweit nutzen 1,2 Millionen Schüler das Nachhilfeangebot. Dabei hat mehr als jeder Dritte durchschnittliche Schulnoten zwischen „sehr gut“ und „befriedigend“.

Es gehe nicht mehr ausschließlich darum, die Versetzung zu schaffen. Oberstufenschüler würden für einen bestimmten Abiturschnitt um jeden Notenpunkt kämpfen. Janich plädiert für eine größere Wertschätzung von traditionellen Ausbildungsberufen, zum Beispiel im Handwerk.

Dass in vielen Fällen eine einzelne Nachkommastelle zählt, bestätigt auch Dr. Christiane Kimm vom Nachhilfeinstitut „Education Power“: „Wenn Schüler mit dem regulären Unterrichtsstoff überfordert sind, muss ihnen mit Förderunterricht geholfen werden.“ Es komme aber auch vor, dass Jugendliche aus Wissenshunger zusätzlichen Unterricht anfordern.

Knapp 900 Millionen Euro pro Jahr

Pro Jahr geben Eltern in Deutschland 879 Millionen Euro für die außerschulische Fortbildung ihrer Kinder aus. Das macht im Mittelmaß 87 Euro pro Monat. Laut Nicole Hollenbach-Biele, die an der Studie mitgewirkt hat, schicken Eltern mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3000 Euro ihre Kinder häufiger in die Nachhilfe, als solche mit geringem Einkommen (15 zu 12 Prozent).

Hilfe ab der 5. Klasse gefragt 

Der Bedarf an Nachhilfe steigt bei vielen Jugendlichen mit dem Wechsel von der Grund- zu weiterführenden Schulen. Während nur knapp fünf Prozent aller Erst- bis Viertklässler Nachhilfe erhalten, sind es in den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe schon 18 Prozent. „In der Pubertät gehen die Noten von Schülern oft rasant nach unten“, weiß Ute Janich. Gymnasiasten werden laut Studie am häufigsten beim Lernen unterstützt: Fast jeder Fünfte besucht die Nachhilfe. Jörg Dräger aus dem Vorstand der Bertelsmann Stiftung sagt aber: „Das außerschulische Lernangebot darf kein Ersatz für fehlende Förderung sein. Gerade weiterführende Schulen müssen sich auf die Vielfalt ihrer Schüler einstellen.“

Zwei Drittel der Eltern zahlen für die Nachhilfe ihrer Kinder. Bereits jeder Dritte nutzt kostenlose Angebote an der jeweiligen Schule. Für Dräger steht fest: „Der Ausbau von Ganztagsschulen muss vorangetrieben werden.“

Von Pelle Faust

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