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Trotz Trockenheit gelungene Premiere im Saisongarten

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Von: Tobias Stück

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Hatte auch mit Trockenheit zu kämpfen: Ann-Kathrin Schmidt vom Hof Morgensonne stellte den Parzellenpächtern aber ausreichend Wasser zur Verfügung. „Trotz der Trockenheit haben wir einen guten Ertrag in diesem Jahr.“
Hatte auch mit Trockenheit zu kämpfen: Ann-Kathrin Schmidt vom Hof Morgensonne stellte den Parzellenpächtern aber ausreichend Wasser zur Verfügung. „Trotz der Trockenheit haben wir einen guten Ertrag in diesem Jahr.“ © Hof Morgensonne/Uwe Gondermann/NH

Der erste Saisongarten der Region hat im Frühjahr seine Arbeit in Niederhone aufgenommen. Jetzt ist Erntezeit. Wir schauen, wie sich das Projekt entwickelt hat.

Niederhone – Der Start war schon mal vielversprechend. Nachdem Ann-Kathrin Schmidt ihr Projekt vorgestellt hat, haben ihr die Interessenten sprichwörtlich das Feld eingerannt. Mit 20 Pächtern rechnete sie, 40 sind es am Ende geworden. „Ich musste mehr Parzellen ausweisen und auch noch Saatgut nachbestellen“, berichtet die Landwirtin. Der positive Start des Projekts sollte sich über die Saison fortsetzen.

Pächter

Ein Saisongarten. Was ist das eigentlich? Auf dem Feld der Landwirtsfamilie Schmidt aus Niederhone kann man Parzellen pachten, um dort Obst und Gemüse anzubauen – das Wissen und die Erfahrung der Landwirte ist inklusive. „Das war es auch, was viele unserer Pächter in den vergangenen Monaten genutzt und geschätzt haben“, berichtet Ann-Kathrin Schmidt. Es hätten Leute bei ihr Flächen gemietet, die zum einen zu Hause nicht die Möglichkeit eines Nutzgartens hätten, zum anderen noch nicht ausreichend Know-how in der Gartenarbeit mitbrachten. „Sie waren dankbar für einen Ansprechpartner.“

Zu viel des Guten: Diese Paprika erlitt einen Sonnenbrand.
Zu viel des Guten: Diese Paprika erlitt einen Sonnenbrand. © Privat

Gemüsesorten

Die Schmidts leisteten Vorarbeiten. Grünzeug wurde in den Boden eingeackert, im Frühjahr das Saatbett vorbereitet. Ann-Kathrin Schmidt zog Jungpflanzen wie Paprika oder Tomaten heran. 25 Kulturen werden den Pächtern angeboten. Es gibt Wurzelgemüse wie Karotten, Pastinaken und Radieschen, Blattgemüse wie Spinat und Salat, Fruchtgemüse wie Zucchini, Paprika und Kürbis, Kohl, Lauch, Zwiebeln sowie Erbsen und Bohnen.

Umweltschutz

So ganz ohne Arbeit ging es für die Pächter natürlich nicht. Ein bis zwei Stunden investierten sie in der Woche. In einer freien Reihe konnten sie beispielsweise ihre eigenen Favoriten anbauen. Mangold habe ganz hoch im Kurs der Pächter gestanden. Schmidt will ihn deswegen im nächsten Jahr von vorneherein ins Programm aufnehmen. Weil keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden, musste Unkraut gejätet werden. „Manche hatten so einen Spaß am eigenen Garten, dass sie jeden Tag kamen“, berichtet Ann-Kathrin Schmidt. Die meisten Pächter wohnen in Niederhone oder Eschwege. Viele kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, manche machten auf dem Weg zur Arbeit Halt. Sie sparten für ihr Obst und Gemüse lange Transportwege und Plastikverpackungen. Die Initiative „Eschwege plastikfrei“ unterstützt deshalb das Projekt.

Reiche Ernte: Fruchtgemüse wie Zucchini, Paprika und Kürbis gediehen in diesem Jahr besonders gut.
Reiche Ernte: Fruchtgemüse wie Zucchini, Paprika und Kürbis gediehen in diesem Jahr besonders gut. © Privat

Trockenheit

Eine besondere Herausforderung galt es in diesem Jahr zu meistern: die fehlenden Niederschläge. „Unser Vorteil war, dass unser toniger Boden sehr gut das Wasser speichert“, sagt Schmidt. Trotzdem musste zusätzlich gegossen werden. Dafür standen mehrere Wasserfässer auf dem Feld bereit. „Das Gießen müssen wir aber noch üben“, sagt die Landwirtin. Es reiche nicht, nur hier und dort ein Schlückchen Wasser zu verteilen. Das käme kaum bei den Wurzeln an.

Ernte und Feedback

Durch das regelmäßige Bewässern sei die Ernte sehr gut ausgefallen. Die Paprika hätten zwar einen Sonnenbrand abbekommen und die Radieschen sind verschwunden, bei allen anderen Gemüsesorten, insbesondere den Tomaten, lief es hingegen ausgesprochen gut. „Sie sind in diesem Jahr sonnengereift und geschmacklich sehr lecker“, sagt Schmidt. Das bestätigten auch die anderen Pächter. Rund ein Drittel traf sich vergangene Woche zu einem Sommerfest. Dabei lernten sich die Pächter kennen und konnten ihre Erfahrungen austauschen. Weil in der Urlaubszeit nicht alle Zeit hatten, soll das Treffen im Herbst wiederholt werden.

Alle gemeinsam: Im Frühjahr wurden die Parzellen eingeteilt. Die Landwirtsfamilie Schmidt leistete Vorarbeiten, eine Reihe wurde frei gesät.
Alle gemeinsam: Im Frühjahr wurden die Parzellen eingeteilt. Die Landwirtsfamilie Schmidt leistete Vorarbeiten, eine Reihe wurde frei gesät. © Privat

Nächstes Jahr

Viele der Pächter haben bereits signalisiert, im nächsten Jahr wieder mitmachen zu wollen. Nach der erfolgreichen Premiere haben sie erklärt, sich auch an ein größeres Stück Garten herantrauen zu wollen. Die Parzellen gibt es in zwei Größen: 20 Quadratmeter genügen zum Anbau von Gemüse für ein bis zwei Personen, auf 40 Quadratmetern erntet man für zwei bis vier Personen. Die kleine Fläche kostet 90 Euro pro Jahr, die größere 160 Euro. Als letzte Pflanzen werden Ende Oktober Kohl und Lauch geerntet. Ab dann beginnen die Vorarbeiten für das nächste Jahr.

Kontakt: Ann-Kathrin Schmidt, Telefon 0160/95 05 89 93 oder hof-morgensonne@web.de

Von Tobias Stück

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