Truckfighters sorgten für den richtigen Duft

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Adrenalin pur: Das T-Shirt von Truckfighters-Gitarrist „Dango“ Källgren flog noch vor dem ersten Lied in die Ecke. Der Schwede gönnte sich und dem Publikum keine Pausen. Mit einem wahren Riffgewitter brachten Källgren und seine Kollegen das stetig wachsende Publikum vor der Bühne zum Kochen. Fotos: Sagawe

Eschwege. Niklas „Dango“ Källgren, Gitarrist der schwedischen Stonerrock-Band Truckfighters, wusste wohl genau, was ihn am Donnerstagnachmittag auf der Seebühne erwarten würde. Angesichts der prallen Sonne und der schweißtreibenden Show seiner Band entledigte sich der Schnauzbartträger noch vor dem ersten Lied seines T-Shirts, Schlagzeuger Axel „Enzo“ Larsson kam direkt ohne.

Dass es hier wenig Zeit zum Durchatmen geben würde, machten schon die ersten Akkorde klar. Eine Stunde lang ließ Källgren Riff auf Riff folgen. Wenn er überhaupt mal das Tempo aus den manchmal improvisiert wirkenden Stücken herausnahm, dann wohl nur um sich an einer ganzen Palette von Effektgeräten entlangzuhangeln.

Fast ein wenig im Hintergrund: Bassist und Sänger Oskar „Onzo“ Cedermalm. Gemeinsam mit Schlagzeuger Larsson lieferte er die perfekte Basis für Källstroms aufgedrehtes Gitarrenspiel. Dazu nölender, immer etwas getragener Gesang, der eben zum Stonerrock wohl so dazugehört, wie Autotune-Effekte in einen 90er-Jahre-Eurodance-Song. Das führt zu einem Manko, denn den Truckfighters, so impulsiv sie ihre Stücke vortragen, fehlt es an Andersartigkeit, um sich von gestandenen Szenegrößen abzuheben.

So kann die 2001 im schwedischen Örebro gegründete Band ihre Vorbilder in keinem Song verleugnen. Bands wie Kyuss oder die über allem schwebenden Queens Of The Stoneage, deren Mastermind Josh Homme Cedermalm mit seinem Gesang beinahe zu imitieren scheint, spielen einfach (noch) in einer anderen Liga. Es fällt schwer, sich die Band bei den berühmt berüchtigten Dessert Session, jenen legendären Stonerrocktreffen in der kalifornischen Wüste, vorzustellen, aus denen mal Bands wie Mondo Generator oder eben die Queens hervorgingen.

Das Publikum vor der Seebühne nimmt den leicht konsumierbaren Rock der Truckfighters aber dankbar auf. Viele von ihnen sind ebenso leicht bekleidet wie die Band selbst. Da wird getanzt, gehüpft und gefeiert, während über allem ein leichter Dunst schwebt, der nach Bier und Schweiß riecht. Der Duft eines Festivals, hier gibt es ihn in Reinform.

Schuld daran tragen auch Dampfmaschine. Die Osnabrücker Punkrocker mussten zwar vor recht übersichtlicher Zuschauerkulisse auf die Bühne, hatten ihre Fans aber zu jeder Zeit im Griff. Das feierte den im Februar verstorbenen Gitarristen Sascha „Fitten“ Friedrich mit minutenlangen Sprechchören. Sänger Siggy Rock zeigte sich zwischen den Liedern in Plauderlaune und interagierte immer wieder mit den Zuschauern in den ersten Reihen.

Dass Dampfmaschine nach der Tragödie im Frühjahr Schlussmachen werden, brauchen ihre Fans trotz kryptischer Ankündigungen auf der Facebookseite der Band nicht fürchten. Auch wenn die Zukunft intern noch nicht diskutiert worden sei, werde es musikalisch auf jeden Fall weitergehen, verriet Schlagzeuger Alexander „Schnalli“ Schröder nach dem Auftritt im Interview.

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